Industrieprojekte entstehen zunehmend an Orten, an denen Anwohner nach eigenen Angaben kaum vorab informiert wurden. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Wasser, Strom, Flächen – und die Frage, ob lokale Genehmigungen noch einer echten öffentlichen Zustimmung entsprechen.
Erin Brockovich, die amerikanische Umweltaktivistin, die durch den Fall der Grundwasserverschmutzung im kalifornischen Hinkley bekannt wurde, richtet ihren Fokus nun auf KI-Rechenzentren.
Nachdem sie Menschen in den gesamten USA dazu aufgerufen hatte, ihre Bedenken zu melden, gingen mehr als 7.000 Hinweise in ihr Kartierungsprojekt ein. Bis zum 24. Juni verzeichnete das Projekt landesweit 33 in Betrieb befindliche KI-Rechenzentren, 68 im Bau und 41 geplante Anlagen.
Die Beschwerden folgen einem ähnlichen Muster, schreibt The Guardian. Anwohner berichten, dass sie erst von den Projekten erfuhren, nachdem die Genehmigungen bereits erteilt worden waren, dass Bauarbeiten in der Nähe von landwirtschaftlichen Betrieben oder Wohngebieten begannen und sie sich anschließend fragten, wer dem Wasserverbrauch, dem Strombedarf und den langfristigen Veränderungen der Flächennutzung eigentlich zugestimmt hatte.
Bezirk hob Baustopp wieder auf
Für die lokalen Behörden ist das Thema schwierig, weil Rechenzentren zwar Investitionen versprechen, zugleich aber eine Infrastruktur erfordern, die kleinere Gemeinden möglicherweise nicht bereitstellen können.
Im Hill County im US-Bundesstaat Texas beschlossen die Bezirksverantwortlichen nach Protesten von Anwohnern einen einjährigen Baustopp für neue Rechenzentren.
Ein Projektentwickler verklagte den Bezirk daraufhin auf 100 Millionen US-Dollar, woraufhin der Baustopp später wieder aufgehoben wurde, berichtet The Texas Tribune.
Der Fall zeigt, wie schnell ein lokaler Planungskonflikt zu einem finanziellen Risiko werden kann. Selbst wenn Behörden ein Projekt zur weiteren Prüfung vorübergehend ausbremsen wollen, können sie mit juristischem Druck konfrontiert werden, der die finanziellen Möglichkeiten eines Bezirks deutlich übersteigt.
Wasser ist zum deutlichsten Warnsignal geworden
Die größte Sorge gilt dem Wasser. The Guardian berichtet, dass zwei Drittel der geplanten Rechenzentren in den USA in dürregefährdeten Gebieten liegen und einige große Anlagen für ihre Kühlung bis zu fünf Millionen Gallonen Wasser pro Tag verbrauchen können.
Für die Anwohner stellt sich daher eine direkte Frage: Soll das knappe Wasser Haushalten, der Landwirtschaft und Wildtieren dienen – oder zur Kühlung von Servergebäuden?
Brockovich erklärte gegenüber der britischen Zeitung, Menschen hätten ihr von steigenden Kosten, toten Tieren, verschwindenden Wildtieren und ständigem Industrielärm berichtet.
Sie fordert Umweltverträglichkeitsprüfungen, öffentliche Anhörungen und transparente Erklärungen darüber, wie jedes einzelne Projekt mit Strom versorgt und gekühlt werden soll, bevor weitere Genehmigungen erteilt werden.
Irland zeigt, warum auch die Stromversorgung entscheidend ist
Die Debatte beschränkt sich nicht auf die USA. Das irische Zentralamt für Statistik (Central Statistics Office Ireland) berichtete, dass Rechenzentren im Jahr 2024 für 22 Prozent des gemessenen Stromverbrauchs des Landes verantwortlich waren – gegenüber 5 Prozent im Jahr 2015.
Diese Zahl verdeutlicht, warum der Zugang zum Stromnetz zu einem zentralen Streitpunkt geworden ist. Die irische Regulierungsbehörde (Commission for Regulation of Utilities) hat neue Vorschriften für den Netzanschluss von Rechenzentren eingeführt, nachdem es zuvor Beschränkungen für neue Netzanschlüsse im Raum Dublin gegeben hatte.
Brockovich fordert nicht, dass KI verschwinden soll. Ihr Argument lautet vielmehr, dass Gemeinden die Kosten eines Projekts nicht erst erkennen sollten, wenn der Beton bereits gegossen, der Strombedarf festgeschrieben und der Einfluss der Öffentlichkeit bereits geschwächt ist.
Quellen: The Guardian, The Texas Tribune, Central Statistics Office Ireland, Commission for Regulation of Utilities.