Die Anzahl der Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen hat sich vervielfacht.
Als die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Semaglutid im Jahr 2021 zur Gewichtsreduktion zuließ, explodierte die Nachfrage. Medikamente wie Ozempic und Wegovy wurden zu bekannten Namen. Doch diese enorme Popularität löste in den gesamten USA einen alarmierenden Trend aus.
Giftnotrufzentralen sahen sich bald überfordert. Laut einer Studie der University of Texas at San Antonio schnellte die Zahl der Anrufe im Zusammenhang mit diesen Abnehmmedikamenten unmittelbar nach der neuen Zulassung in die Höhe.
Vor der Zulassung von Semaglutid bearbeiteten US-Giftnotrufzentralen jährlich etwa 1.000 bis 1.500 Anrufe im Zusammenhang mit diesen Medikamenten. Im Jahr 2023 stieg diese Zahl auf über 8.000 Fälle an.
Professor David Han von der UT San Antonio und die Studentin Jordan Miller leiteten die Studie. Sie analysierten nationale Daten und zeigten, dass der Anstieg mit dem Hype um die Gewichtsreduktion zusammenhing.
„Eine davon war diese recht ungewöhnliche Kategorie Semaglutid“, bemerkte Han laut Science Daily.
Erschreckende Daten
Die Forscher entdeckten, dass die überwiegende Mehrheit der Anrufe nicht auf absichtlichen Missbrauch zurückzuführen war. Vielmehr machten die Patienten einfache Dosierungsfehler. Dennoch schockierte das schiere Ausmaß der Vorfälle das Team.
„In dieser Abbildung, die den Anstieg nach einzelnen Medikamenten zeigt, hatte ich nicht erwartet, dass Semaglutid so unglaublich dominant sein würde“, erinnerte sich Jordan Miller.
Sie fügte hinzu: „Ich dachte, es würde an der Spitze liegen, aber es war überwältigend. Andererseits ist es angesichts der ganzen Medienaufmerksamkeit nachvollziehbar.“
Die Daten offenbarten zwei Hauptfehler. Einige Patienten injizierten das Medikament täglich statt wöchentlich. Andere übersprangen die schrittweise Dosiserhöhung komplett und nahmen gleich am ersten Tag die maximale Dosis ein.
Die Ergebnisse waren erschreckend. „Können Sie sich vorstellen, dass man etwas schrittweise steigern soll, und Sie gehen mit voller Kraft und siebenmal häufiger vor, als Sie eigentlich sollten?“, sagte Miller.
Bessere Aufklärung erforderlich
Die Ergebnisse wurden im Journal of Medical Toxicology veröffentlicht. Sie weisen direkt auf eine massive Lücke im Wissen zur Patientensicherheit hin. Han betonte, dass die Vermarktung eines Medikaments zur Gewichtsreduktion die Art und Weise verändere, wie die Öffentlichkeit damit umgehe.
„Wenn die GLP-1[RA]-Medikamente an Diabetiker verkauft werden, ist das eine völlig andere Geschichte, als wenn das Medikament zum Gewichtsmanagement eingesetzt wird“, erklärte Han. Er forderte eine bessere öffentliche Aufklärung, da die Langzeitsicherheit nicht vollständig geklärt sei.
Um dies zu beheben, fordert das Team klarere Anweisungen. Ein zusätzlicher Hinweis am Apothekenschalter könnte Tausende dieser gefährlichen Fehler leicht verhindern.