Anscheinend ist das weiße, geschmacklose Pulver für mehr gut als nur fürs Gewichtheben.
Turnbeutel weltweit sind mit Fitness-Ergänzungsmitteln gefüllt, die größere Muskeln und schnellere Erholungszeiten versprechen.
Doch was geschieht, wenn ein gängiges Trainingspulver in ein medizinisches Labor gelangt?
Wissenschaftler entdecken, dass diese Fitness-Klassiker verborgenes Potenzial besitzen.
Die neue Rolle eines Fitness-Klassikers
Ein bekanntes Trainings-Ergänzungsmittel könnte mehr leisten, als Sportlern nur beim Muskelaufbau zu helfen. Neue Forschungsergebnisse der UCLA legen nahe, dass es dem Körper tatsächlich helfen könnte, schwere Krankheiten abzuwehren.
Die Studie untersuchte Kreatin, ein Pulver, das Millionen von Menschen zur Unterstützung ihres Trainings verwenden. Die Forscher fanden heraus, dass es bestimmte Immunzellen mit Energie versorgen kann, sodass diese schädliche Tumore aufspüren und angreifen können.
Diese Entdeckung könnte die Herangehensweise von Ärzten an moderne Behandlungen verändern. Derzeit scheitern viele fortschrittliche Therapien, weil das natürliche Abwehrsystem des Körpers nicht mehr über ausreichend Energie verfügt.
Die Abwehr stärken
Die Labortests konzentrierten sich auf dendritische Zellen. Diese agieren wie die Generäle des Immunsystems, indem sie Bedrohungen erkennen und Killer-T-Zellen zum Angriff auffordern.
Laut der in iScience veröffentlichten Studie wirkt Kreatin wie eine wiederaufladbare Batterie für diese Immunzellen. Es hält sie aktiv, selbst wenn sie von aggressiven Tumorzellen umgeben sind.
Als Mäuse täglich Kreatin erhielten, wuchsen ihre Tumore deutlich langsamer. Das Ergänzungsmittel aktivierte das Immunsystem effektiv und schickte eine Welle neuer Immunzellen an die Front.
Zukünftige Behandlungen voranbringen
Dieser Energieschub könnte auch dazu beitragen, dass moderne Krebsimpfstoffe besser wirken. In Laboren verwenden Wissenschaftler bereits dieselben Immunzellen, um maßgeschneiderte Behandlungen für Patienten zu entwickeln.
James Elsten-Brown, Doktorand und Mitautor der Studie, erläuterte das doppelte Potenzial der Entdeckung.
„Das Potenzial, das wir hier sehen, ist, dass Kreatin auf zwei komplementäre Weisen eingesetzt werden könnte: als Ergänzung zur Verbesserung der Immunantwort von Patienten, die bereits eine Immuntherapie erhalten, und als Werkzeug zur Verbesserung der Qualität dendritischer zellbasierter Impfstoffe, bevor sie verabreicht werden“, sagte er laut ScienceDaily.
Noch ein langer Weg
Das UCLA-Team mahnt jedoch zur Vorsicht. Diese Tests fanden in Laboren mit Mäusen und menschlichen Zellen statt, was bedeutet, dass klinische Studien am Menschen noch in weiter Ferne liegen.
Patienten sollten daher noch nicht damit beginnen, Eimer voller Trainingspulver zu kaufen. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass jeder, der sich in medizinischer Behandlung befindet, vor einer Änderung seiner Routine mit seinem Arzt sprechen sollte.