Chinesische Beamte weigerten sich, etwas zu unterzeichnen.
Globale Allianzen wirken von außen oft felsenfest.
Blickt man jedoch hinter die Handschläge, offenbart das wahre Kräfteverhältnis eine ganz andere Geschichte.
Eine Seite zieht die Fäden.
Eine sich wandelnde Dynamik
Im Jahr 2013 besuchte der chinesische Präsident Xi Jinping Moskau und bezeichnete Wladimir Putin als „Vorbild“. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der russische Staatschef ist in eine wesentlich schwächere Rolle gerutscht.
Das Wall Street Journal, zitiert von Meduza, berichtet, dass Russland nun ein Juniorpartner sei. Verzweifelt auf der Suche nach Bargeld, reiste Putin kürzlich nach Peking, in der Hoffnung, eine riesige neue Gaspipeline abzuschließen.
Er verließ den Gipfel mit Dutzenden unterzeichneter Abkommen, doch das entscheidende Pipeline-Geschäft fehlte. Chinesische Beamte weigerten sich, etwas zu unterzeichnen, es sei denn, Moskau bot Gas zu äußerst niedrigen Inlandspreisen an.
Das lange Spiel spielen
China ist vollkommen bereit zu warten. Vor dem Konflikt war Europa der wichtigste Handelspartner Moskaus. Heute kontrolliert China fast 40 Prozent des russischen Außenhandels.
Umgekehrt macht Russland weniger als 4 Prozent des riesigen chinesischen Marktes aus. Diese enorme Lücke verschafft Peking die vollständige Kontrolle am Verhandlungstisch.
„Es ist besser, noch etwas länger zu warten, bis sich die wirtschaftliche Lage in Russland weiter verschlechtert, bis das Land auf den Knien ist und bereit ist, Bedingungen zuzustimmen, die für China günstig sind“, sagte Alexander Gabuev vom Carnegie Berlin Center gegenüber dem Wall Street Journal.
Den Anschein wahren
Trotz des stillen Machtgriffs behandelt Xi Putin in der Öffentlichkeit mit äußerstem Respekt. Peking erinnert sich genau daran, wie die Sowjetunion China in den 1960er-Jahren misshandelte.
„Die Lehre aus dieser Beziehung ist, dass man seine Position als Seniorpartner nicht nutzen kann, um einen Juniorpartner zu demütigen“, erklärte der Historiker Sergei Radchenko.
Dennoch erzwingt Peking Zugeständnisse. Putin musste kürzlich den chinesischen Yuan als Hauptwährung für eine regionale Entwicklungsbank akzeptieren. Er hatte sich über ein Jahrzehnt lang gegen diesen Schritt gewehrt.
Blick in die Zukunft
Auch wegen Nordkorea brodeln die Spannungen. Putin wollte einen gemeinsamen Gipfel mit Pjöngjang, doch die chinesische Regierung lehnte die Idee kategorisch ab.
Peking möchte Nordkorea fest in seinem eigenen Einflussbereich halten. Hinter den Kulissen knüpfen chinesische Beamte enge Beziehungen zur nächsten Generation russischer Führungspersönlichkeiten.
„China hat tatsächlich eine sehr gute Chance, Russland in so etwas wie ein riesiges Laos, ein riesiges Pakistan zu verwandeln“, bemerkte Gabuev in dem Bericht.
Quellen: The Wall Street Journal, Meduza