Militärische Verluste und zwei konkurrierende Abstimmungen im Kongress haben die Debatte über Washingtons Kriegsbefugnisse erneut in den Mittelpunkt gerückt. Das Repräsentantenhaus sprach sich für einen Truppenabzug aus, ein entsprechender Vorstoß im Senat scheiterte jedoch.
Seit Beginn der Kämpfe mit Iran im Februar sind 18 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen, fast 500 weitere wurden verletzt, berichtet NPR unter Berufung auf Zahlen des Pentagons. Vier der Todesfälle ereigneten sich nach dem 17. Juli, während in den vorangegangenen zwei Wochen rund 100 Verletzungen registriert wurden.
Die Verluste sind Teil einer breiteren Debatte darüber geworden, wie lange der Militäreinsatz fortgesetzt werden soll und welche Rolle der Kongress bei Entscheidungen über dessen Umfang spielen sollte. Befürworter eines Rückzugs argumentieren, der Kongress sei nie um eine Genehmigung des Konflikts ersucht worden, während Gegner meinen, weitere militärische Maßnahmen seien notwendig, um auf iranische Angriffe zu reagieren.
Am 23. Juli verabschiedete das Repräsentantenhaus H. Con. Res. 89 mit 214 zu 208 Stimmen. Die Resolution fordert Präsident Donald Trump gemäß Abschnitt 5(c) der War Powers Resolution auf, US-Streitkräfte aus den Feindseligkeiten mit Iran abzuziehen. In den offiziellen Unterlagen des Repräsentantenhauses ist die Abstimmung als Roll Call 282 verzeichnet.
Die War Powers Resolution wurde geschaffen, um dem Kongress eine formelle Rolle einzuräumen, wenn Präsidenten US-Streitkräfte ohne Kriegserklärung einsetzen. Resolutionen, die auf Grundlage dieses Gesetzes eingebracht werden, sollen eine Debatte darüber erzwingen, ob ein Militäreinsatz fortgesetzt werden soll, auch wenn Streitigkeiten über die Befugnisse von Präsident und Kongress seit Jahrzehnten andauern.
Die Kammern bleiben gespalten
Die Zustimmung des Repräsentantenhauses allein reicht nicht aus, damit eine Resolution als vom Kongress verabschiedet gilt. Demokraten im Senat versuchten später, ihren eigenen Vorschlag zu den Kriegsbefugnissen voranzubringen, scheiterten jedoch mit 47 zu 49 Stimmen, berichtet NPR. Ohne die Zustimmung beider Kammern konnte der Vorstoß des Kongresses nicht zu einer einheitlichen Position zum Truppenabzug führen.
Vier Republikaner unterstützten die Resolution des Repräsentantenhauses gemeinsam mit den Demokraten: Tom Barrett aus Michigan, Warren Davidson aus Ohio, Brian Fitzpatrick aus Pennsylvania und Thomas Massie aus Kentucky. Dies zeigt, dass sich der Widerstand gegen den Einsatz nicht ausschließlich auf eine Partei beschränkte, auch wenn die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus den Vorschlag ablehnte.
Die demokratische Abgeordnete Pramila Jayapal aus Washington, die die Initiative anführte, erklärte, dem Konflikt fehle „eine klare Mission, eine Strategie und ein konkretes Endziel“. Zudem argumentierte sie, der Kongress habe weder die Kämpfe genehmigt noch sei er ausreichend konsultiert worden.
Das Ergebnis folgte auf eine weitere Abstimmung im Repräsentantenhaus am 3. Juni. H. Con. Res. 86, die ebenfalls den Abzug der US-Streitkräfte aus den Feindseligkeiten mit Iran forderte, wurde mit 215 zu 208 Stimmen verabschiedet. Vier Republikaner stimmten gemeinsam mit 211 Demokraten dafür, während sieben Abgeordnete nicht an der Abstimmung teilnahmen, wie aus dem offiziellen Abstimmungsprotokoll hervorgeht.
Das politische Patt hält an
Republikanische Gegner der Resolutionen argumentieren, der Militäreinsatz sei durch frühere iranische Angriffe auf Amerikaner und US-Interessen gerechtfertigt, schreibt NPR. Das Medium berichtet zudem, dass der republikanische Abgeordnete Brian Mast aus Florida während der Debatte im Repräsentantenhaus Fotos von Angehörigen der US-Streitkräfte zeigte, die in den Kämpfen getötet worden waren, um den Einsatz zu verteidigen.
Masts Wortmeldung rückte die militärischen Verluste in den Mittelpunkt der Argumentation für eine Fortsetzung des Einsatzes. Befürworter stellen die Kämpfe als Reaktion auf frühere Angriffe dar, während Kritiker das Fehlen einer Genehmigung durch den Kongress und eines klar definierten Endziels hervorheben.
Trump bezeichnete die Abstimmungen über die Kriegsbefugnisse laut NPR als „bedeutungslos“ und erklärte, die Demokraten würden vom „Trump Derangement Syndrome“ angetrieben. Seine Reaktion verdeutlichte die Kluft zwischen dem Weißen Haus und den Abgeordneten, die strengere Grenzen für die Kontrolle des Präsidenten über den Konflikt fordern.
Die beiden erfolgreichen Abstimmungen im Repräsentantenhaus zeigen den anhaltenden Widerstand gegen die Kriegsführung der Regierung. Der gescheiterte Vorstoß im Senat führte jedoch dazu, dass beide Kammern weiterhin keine gemeinsame Position zum Abzug der US-Streitkräfte vertreten. Zudem änderte keine unmittelbare Anweisung des Kongresses den laufenden Militäreinsatz.
Quellen: NPR