Deutschland wirbt Pflegekräfte aus dem Ausland an: Kontroverse mit Brasilien

Olivia Rosenberg

1 Woche vor

|

06/06/2024
Deutschland
Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock
Kritik an Deutschlands Anwerbungsstrategie.

Die deutsche Bundesregierung bemüht sich intensiv, Pflegekräfte im Ausland zu rekrutieren, um den akuten Fachkräftemangel im Pflegebereich zu beheben. 

Diese Bemühungen stoßen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Besonders Brasilien reagiert verärgert auf die deutschen Anwerbungsversuche. 

Wie die Focus berichtet, äußerte der brasilianische Arbeitsminister Luiz Marinho bei einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Hubertus Heil deutliche Kritik. 

Er warf Deutschland vor, sich nicht an die im Juni 2023 in Brasília vereinbarte Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der Fachkräftemigration zu halten.

Das Abkommen, das ursprünglich unter der Vorgängerregierung von Präsident Jair Bolsonaro zwischen der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der brasilianischen Pflegekammer Cofen unterzeichnet wurde, steht nun im Zentrum der Kontroverse. 

Die aktuelle brasilianische Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der brasilianische Bundesverband der Pflegekräfte stellen die Legitimität des Abkommens infrage. 

Solange Caetano, Präsidentin des Bundesverbands, kritisierte die mangelnde Unterstützung für brasilianische Pflegekräfte bei ihrer Anpassung in Deutschland und die langen Wartezeiten für die Anerkennung ihrer Abschlüsse.

Maíra Lacerda vom brasilianischen Arbeitsministerium betonte, dass die Ausbildung von Pflegekräften in Brasilien sehr aufwendig und kostenintensiv sei. 

Sie kritisierte, dass qualifizierte Arbeitskräfte, in die die brasilianische Regierung investiert habe, ohne Gegenleistung abgeworben würden. 

Die Bundesagentur für Arbeit hat aufgrund dieser Kritik die Rekrutierungsaktivitäten in Brasilien vorerst eingestellt. Die Gespräche über eine neue, geregelte Zusammenarbeit sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 fortgesetzt werden.