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Kompakter wohnen: Abschied vom Wohnflächen-Boom

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Über Jahrzehnte galt eine große Wohnung als selbstverständlicher Teil des Lebensstandards. Doch steigende Kosten, knapper Boden und neue Lebensmodelle stellen diese Erwartung zunehmend infrage. In Deutschland deutet sich ein grundlegender Wandel an.

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Während Kommunen weiter Neubaugebiete ausweisen, wächst gleichzeitig der Druck auf bestehende Quartiere. Wohnraum ist vielerorts knapp, bezahlbare Wohnungen fehlen. Vor diesem Hintergrund rückt die Größe der Wohnungen selbst stärker in den Fokus.

Eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, über die Der Spiegel berichtet, sieht Anzeichen dafür, dass Wohnungen künftig wieder kleiner werden. Die Entwicklung könnte langfristige Folgen für Städte, Mieter und die Baupolitik haben.

Umbau als Strategie

Nach Einschätzung der DIW-Forscher:innen liegt ein zentrales Problem im vorhandenen Wohnungsbestand. Dieser sei überwiegend auf größere Haushalte zugeschnitten, obwohl sich die Lebensrealitäten deutlich verändert hätten.

Stadtplaner und kommunale Wohnungsunternehmen stehen damit vor einer praktischen Herausforderung. Ohne zusätzliche Flächen auszuweisen, müssten bestehende Gebäude besser genutzt werden, etwa durch Teilung großer Wohnungen oder flexible Grundrisse.

Solche Umbauten gelten auch als politisch attraktiv. Sie könnten helfen, Wohnraum zu schaffen, ohne weitere Flächen zu versiegeln, ein Ziel vieler Städte im Kampf gegen Zersiedelung und steigende Infrastrukturkosten.

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Markt unter Druck

Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau, bei rund 94 Quadratmetern, doch Neubauten fallen seit Jahren kompakter aus. Laut DIW ist das kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Anpassung an Marktbedingungen.

Hohe Bau- und Grundstückskosten begrenzen die Spielräume für große Wohnungen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach kleineren Einheiten, insbesondere in Ballungsräumen, was dort auch den Preisdruck auf kompakte Wohnungen erhöhen könnte.

Mieterverbände warnen bereits, dass kleinere Wohnungen nicht automatisch günstiger seien. Entscheidend seien Lage, energetischer Zustand und Nachfrage, nicht allein die Quadratmeterzahl.

Gesellschaft im Wandel

Ein wesentlicher Treiber bleibt die Demografie. Der Anteil der Einpersonenhaushalte liegt inzwischen bei über 40 Prozent und ist in Großstädten noch höher. Diese Haushalte stellen andere Anforderungen an den Wohnungsmarkt als klassische Familien.

DIW-Immobilienexperte Konstantin Kholodilin sieht darin das Ende einer langen Wachstumsphase beim Wohnen. Der Markt reagiere auf veränderte Einkommen, Lebensstile und finanzielle Grenzen.

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Für Familien könnte das bedeuten, dass große Wohnungen seltener und teurer werden. Gleichzeitig könnten kleinere, effizient geplante Wohnungen zur neuen Norm werden, mit Folgen für Stadtbilder, Nachbarschaften und die soziale Durchmischung.

Diese Entwicklung ist kein deutscher Sonderfall. Auch in anderen Industrieländern reagiert der Wohnungsmarkt seit Jahren auf kleinere Haushalte und steigende Kosten mit kompakteren Wohnformen.

Quelle: Der Spiegel, DIW