Startseite Geschichte Die Entdeckung von 82 Wikinger-Werkstätten verändert das Bild des Wikingerlebens

Die Entdeckung von 82 Wikinger-Werkstätten verändert das Bild des Wikingerlebens

Die Entdeckung von 82 Wikinger-Werkstätten verändert das Bild des Wikingerlebens
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Neue Spuren unter einem geplanten Baugelände verändern die Sicht auf eine Wikingersiedlung. Die Funde weisen auf hochentwickeltes Handwerk, Handelsgüter und eine lebendige Welt hin, die weit über die lokale Umgebung hinausreichte.

Bevor nahe Søften, einem Dorf im Osten Jütlands in Dänemark, ein neues Industriegebiet errichtet wird, haben Archäologen die Überreste eines deutlich älteren Produktionsstandorts freigelegt. Laut DR, unter Berufung auf das Moesgaard Museum, hat die Ausgrabung nördlich der Stadt Aarhus 82 Grubenhäuser zutage gefördert.

Aarhus war in der Wikingerzeit unter dem Namen Aros bekannt und ein bedeutender Handelsplatz. Die Entdeckung in Søften deutet darauf hin, dass sich das Leben rund um Aros nicht nur auf Schiffe, Krieger und Kaufleute innerhalb der Stadt beschränkte. Auch in den umliegenden Siedlungen wurde gearbeitet, die möglicherweise Waren und Arbeitskräfte für das Handelszentrum bereitstellten.

Grubenhäuser waren teilweise in den Boden eingelassene Gebäude, die häufig als kleine Werkstätten genutzt wurden. In Søften weisen die Funde deutlich auf Textilarbeiten hin. Die Archäologen identifizierten Gegenstände, die mit dem Spinnen, Weben und der Weiterverarbeitung von Materialien in Verbindung gebracht werden. Dies deutet auf einen Ort hin, an dem handwerkliche Tätigkeiten in beachtlichem Umfang ausgeübt wurden.

Liv Langberg, Grabungsleiterin am Moesgaard Museum, sagte gegenüber DR:

„Wir haben Webgewichte, Spinnwirtel, Glasperlen und Schleifsteine gefunden. Insgesamt handelt es sich sowohl um viele Gegenstände aus den ersten als auch aus den letzten Phasen der Textilproduktion.“

Die Funde zeigen mehr als vereinzelte Handwerksarbeit

Webgewichte dienten dazu, die Fäden beim Weben gespannt zu halten, während Spinnwirtel zum Verspinnen von Fasern zu Garn verwendet wurden. Diese Werkzeuge deuten auf eine zusammenhängende Arbeitskette hin – vom Rohmaterial bis zum fertigen Textil. Die große Zahl an Werkstatthütten macht deutlich, dass es sich um weit mehr als eine kleine häusliche Tätigkeit handelte.

Ähnliche Gegenstände wurden auch an anderen Fundorten aus der Wikingerzeit entdeckt. Das Moesgaard Museum betrachtet Søften jedoch aufgrund seiner Größe und Anlage als außergewöhnlich. Die Entdeckung vermittelt Forschern ein klareres Bild davon, wie eine größere Stadt wie Aros von Aktivitäten außerhalb ihres Zentrums abhängig gewesen sein könnte.

Langberg zufolge ist es vor allem die Größe der Siedlung, die sie bemerkenswert macht. Ihrer Ansicht nach zeigt die Ausgrabung, dass die Gebiete außerhalb von Aros dazu beitrugen, die Voraussetzungen für das Wachstum der Stadt zu schaffen.

Für Kasper H. Andersen, Historiker am selben Museum, ist die Fundstätte ein wichtiger Hinweis auf das östliche Jütland während der Wikingerzeit:

„Das zeigt uns, dass die Wikingerzeit nicht nur eine unzivilisierte, barbarische und rückständige Epoche war, wie sie sonst oft wahrgenommen wurde. Es war eine Gesellschaft mit geordneten Verhältnissen, zumindest in bestimmten Bereichen.“

Münzen brachten ferne Regionen nach Søften

Die Ausgrabung förderte zudem Silberfragmente und Münzen aus Gebieten zutage, die heute zu Deutschland und Frankreich gehören, ebenso wie arabische Münzen aus Kalifaten im Nahen Osten und in Zentralasien. Diese Funde ordnen Søften in eine größere Handelswelt ein, auch wenn die Arbeit vor Ort selbst eher lokal und praktisch ausgerichtet war.

Andersen erklärte, dass die Menschen, die in Søften arbeiteten, verstanden hätten, dass die Welt weit über ihre eigene Region hinausreichte – von Island bis zu muslimischen Reichen in Asien. Die Funde verleihen der Geschichte einer Werkstattsiedlung bei Aros daher eine zusätzliche Dimension.

Die Entdeckungen widerlegen nicht das bekannte Bild von Wikingerfahrten und Plünderungszügen, fügen ihm jedoch eine weitere Facette hinzu: Menschen, die Textilien herstellten, importiertes Silber handhabten und in einer Siedlung arbeiteten, die eng mit Handel, Handwerk und Wachstum verbunden war.

Quellen: DR, Moesgaard Museum