Wir betrachten die Kindheit gerne als eine Zeit des Spielens und Lernens. Die meisten Kinder verbringen heute ihre frühen Jahre in der Schule, behütet vor den schweren Lasten des Erwachsenenlebens. Doch blickt man ein paar Jahrhunderte zurück, zerbricht dieses unschuldige Bild völlig.
Eine neue Studie befasst sich eingehend mit den sterblichen Überresten von 143 jungen Menschen aus den Niederlanden. Forscher untersuchten Knochen, die aus den Jahren zwischen 1650 und 1850 stammen. Die Ergebnisse sind düster.
Laut HistorieNet arbeiteten Kinder in dieser Epoche oft in brutalen Schichten. Die Familien waren auf ihre Löhne angewiesen, nur um zu überleben. Ein einziger Arbeitstag konnte sich auf Feldern oder in Fabriken leicht auf 17 Stunden ausdehnen.
Die körperlichen Auswirkungen dieser endlosen manuellen Arbeit waren absolut verheerend. Wissenschaftler entdeckten tief in den Knochen eindeutige Beweise für schwere Wirbelsäulenschäden. Erstaunlicherweise waren einige der Opfer erst vier Jahre alt.
Spuren in den Knochen
Experten identifizierten Erkrankungen, die normalerweise bei älteren Erwachsenen auftreten. Die winzigen Skelette zeigten unbestreitbare Anzeichen von Arthrose, eingebrochenen Wirbeln und schmerzhaften Bandscheibenvorfällen.
Die absolut schlimmsten Verletzungen traten in der ländlichen Bauerngemeinde Middenbeemster auf. Die dortigen Kinder begannen bereits im Alter von neun Jahren auf Milchbauernhöfen zu arbeiten. Tag für Tag schleppten sie schwere Bottiche und wuchteten von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung massive Käseformen.
Ihre Wirbelsäulen verformten sich unter dem extremen Gewicht. Diese dauerhaften Schäden entstanden, während ihre zerbrechlichen Knochen noch schnell wuchsen.
Das Stadtleben war anders
Jugendliche in der Stadt Arnheim sahen sich mit einer anderen Art von Plackerei konfrontiert. Sie verbrachten endlose Stunden in Textilfabriken. Spinnen und Nähen dominierten ihre Tage.
Diese Fabrikarbeiten verursachten weit weniger Knochentraumata als die schwere Arbeit auf dem Bauernhof. Der Unterschied ist deutlich. Dennoch offenbarten die kleinen Skelette die unbestreitbare Belastung durch ständige, monotone Bewegungen.
In Delft hingegen genossen Kinder aus wohlhabenderen Familien weitaus leichtere alltägliche Pflichten. Forscher fanden dort nur wenige, unbedeutende Knochenläsionen. Diese kleinen Spuren stammten wahrscheinlich von zu viel Sitzen, Reiten oder schlichtweg einem Mangel an gesunder körperlicher Aktivität.
Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau kritisierte diese harte historische Denkweise tatsächlich. Im Jahr 1762 schrieb er: „Sie suchen immer den Mann im Kind, ohne zu bedenken, was es ist, bevor es ein Mann wird.“
Der Bericht im International Journal of Paleopathology zeigt uns schließlich den physischen Preis dafür, dass seine Worte ignoriert wurden.
Quellen: HistorieNet, International Journal of Paleopathology