Mikroplastik durch Kaugummi: Neue Studie warnt vor Gesundheitsrisiko

Amalie L.

22 Stunden vor

|

02/04/2025
Gesundheit
Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock
Sowohl natürliche als auch synthetische Kaugummis können laut Forschern zur täglichen Plastikaufnahme beitragen.

JETZT LESEN AUCH ANDERE

Eine neue Studie hat eine überraschende Quelle der Mikroplastikbelastung aufgedeckt: Kaugummi. Laut Forschungsergebnissen, die auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society in San Diego vorgestellt wurden, können sowohl synthetische als auch sogenannte „natürliche“ Kaugummis während des normalen Kauens Hunderte bis Tausende von Mikroplastikpartikeln in den Speichel freisetzen.

Im Durchschnitt wurden etwa 100 Mikroplastikpartikel pro Gramm Kaugummi freigesetzt – einige Proben sogar bis zu 600 Partikel pro Gramm. Ein einzelnes Stück Kaugummi wiegt in der Regel zwischen 2 und 6 Gramm – das bedeutet, dass schon ein einziges Stück mehrere Hundert bis Tausende Mikroplastikpartikel im Mund freisetzen kann.

Eine versteckte Quelle der Plastikaufnahme

Forschende an der UCLA unter der Leitung von Ingenieurprofessor Dr. Sanjay Mohanty wollten herausfinden, wie alltägliche Gewohnheiten zur Aufnahme von Plastik beitragen. „Kaugummi ist das einzige Lebensmittelprodukt, das aus Plastik besteht“, sagte Mohanty und betonte, dass die Studie nicht dazu diene, Panik zu verbreiten, sondern das Ausmaß der Plastikeinwirkung besser zu verstehen.

Überraschenderweise setzten sowohl synthetische als auch pflanzenbasierte, „natürliche“ Kaugummis ähnliche Mengen an Mikroplastik frei. Diese Erkenntnis stellt die Annahme infrage, dass natürliche Kaugummibasen deutlich sicherer seien.

Die Studie wurde bislang noch nicht von Fachkollegen begutachtet, wirft jedoch ein Schlaglicht auf eine bisher weitgehend übersehene Quelle der Belastung. Mikroplastik – winzige Kunststoffpartikel mit einer Größe von unter fünf Millimetern – findet sich bereits in Lebensmittelverpackungen, Getränken und sogar in der Luft, die wir atmen. Frühere Studien schätzen, dass Menschen jährlich Zehntausende Mikroplastikpartikel aufnehmen.

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen

Die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik werden weiterhin erforscht. Bestehende Studien bringen Mikroplastik mit Atemwegs-, Verdauungs- und Fortpflanzungsproblemen in Verbindung. Einige Untersuchungen deuten auch auf mögliche Zusammenhänge mit Krebserkrankungen wie Darm- und Lungenkrebs hin.

Dr. Dana Hunnes, leitende Ernährungswissenschaftlerin an UCLA Health, zeigte sich überrascht von den Ergebnissen. „Die meisten Menschen schlucken ihren Speichel beim Kaugummikauen – wenn sich darin Mikroplastik löst, ist das nicht ideal“, sagte sie.

Sollte man auf Kaugummi verzichten?

Gesundheitsexperten sind uneinig, raten jedoch zur Vorsicht. Zwar deutet die Datenlage nicht auf eine unmittelbare Gesundheitsgefahr hin, doch sie verstärkt die wachsende Beweislage zur allgegenwärtigen Mikroplastikbelastung. „Je mehr Sie kauen, desto mehr tragen Sie zur ohnehin schon bestehenden Plastiklast bei“, sagte Dr. Tracey Woodruff von der UCSF, die empfiehlt, auf Kaugummi zu verzichten, wenn man besorgt ist.

Für Menschen, die ihre Belastung reduzieren möchten, könnte der Verzicht auf Kaugummi – egal ob natürlich oder synthetisch – ein einfacher erster Schritt sein.

Wie von Healthline berichtet, zeigen die Ergebnisse, wie tief Plastik mittlerweile selbst in die unerwartetsten Bereiche unseres Alltags vorgedrungen ist.