Die Raucherquote ist unter einen wichtigen Richtwert gefallen. Der Nikotinkonsum bleibt jedoch in anderen Formen weit verbreitet.
Schweden hat das Niveau erreicht, das in der öffentlichen Gesundheitsarbeit häufig als rauchfrei bezeichnet wird, berichtet NRK unter Berufung auf Daten von CAN, dem Schwedischen Rat für Informationen über Alkohol und andere Drogen. Der Anteil der täglichen Raucherinnen und Raucher liegt nun bei 4,8 Prozent, gegenüber 16 Prozent im Jahr 2003.
Diese Bezeichnung bedeutet nicht, dass niemand mehr raucht. Sie bedeutet, dass der tägliche Konsum unter den Richtwert von fünf Prozent gefallen ist, der seit 2016 ein politisches Ziel in Schweden ist.
Die Zahlen stammen aus der jährlichen Umfrage von CAN, bei der rund 18.000 Menschen im Alter von 17 bis 84 Jahren Fragen zu ihren Tabak- und Nikotingewohnheiten beantworteten.
Zigaretten verloren ihren Platz im öffentlichen Raum
Laut dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT führt CAN-Forscher Mats Ramstedt den Rückgang vor allem auf langfristige Präventionsmaßnahmen zurück.
Er verwies auf die eingeschränkte Verfügbarkeit, höhere Kosten und strengere Rauchvorschriften als wichtige Faktoren.
Der Nikotinkonsum in Schweden ist jedoch nicht zurückgegangen, da der Gebrauch von Snus zunimmt. Ramstedt betont allerdings, dass der Rückgang des Rauchens nicht allein durch Snus erklärt werden könne, da die Raucherzahlen bereits vor dem jüngsten Anstieg des Snuskonsums sanken, sagte er gegenüber SVT.
Im Gegensatz zu Zigaretten wird Snus nicht geraucht und verursacht keinen Passivrauch. Dieser Unterschied erklärt mit, warum Schweden sehr niedrige Raucherquoten verzeichnen kann, obwohl der Nikotinkonsum weiterhin hoch ist.
CAN berichtet, dass inzwischen 30 Prozent der Schweden eine Form von Nikotinprodukt verwenden.
Im Jahr 2025 gaben 22 Prozent der Schweden an, im vergangenen Monat Snus konsumiert zu haben. Die meisten von ihnen nutzten ihn täglich.
Eine der deutlichsten Veränderungen zeigt sich bei den Frauen. Laut CAN hat sich der Snuskonsum von Frauen seit 2007 verdreifacht.
Junge Erwachsene geben Anlass zur Sorge
Der Konsum von E-Zigaretten bleibt in der schwedischen Gesamtbevölkerung begrenzt: Fünf Prozent gaben an, sie kürzlich genutzt zu haben. Unter den 17- bis 29-Jährigen liegt der Anteil jedoch deutlich höher, nämlich bei 16 Prozent.
Der gesamte Nikotinkonsum in dieser jüngeren Altersgruppe hat 44 Prozent erreicht.
Genau darin liegt das politische Problem hinter diesem Meilenstein: Weniger Menschen rauchen, aber viele konsumieren weiterhin Nikotin.
Norwegen zeigt ein ähnliches Muster, schreibt NRK: Dort liegt der Anteil der täglichen Raucherinnen und Raucher inzwischen bei sieben Prozent, während der Snuskonsum besonders unter jungen Männern deutlich höher ist.
Tord Finne Vedøy, Forscher am norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit, sagte gegenüber NRK, dass Norwegen und Schweden seit Jahren ähnliche Entwicklungen beim Tabakkonsum aufweisen.
Die nächste Debatte in beiden Ländern wird sich daher nicht nur darum drehen, wie der Zigarettenkonsum weiter reduziert werden kann, sondern auch darum, wie weit Regierungen bei der Eindämmung des Nikotinkonsums insgesamt gehen sollten.
Quellen: NRK, SVT, CAN