Moskau verurteilte die amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf Iran und brachte diplomatische Unterstützung für Teheran zum Ausdruck. Mehr geschah nicht.
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Als Ajatollah Ali Chamenei bei den Angriffen am 28. Februar getötet wurde und im ganzen Land Hunderte Ziele getroffen wurden, warteten viele auf eine deutlichere Reaktion Russlands. Doch laut einer Analyse der Kyiv Independent beschränkte sich der Kreml auf Erklärungen. Militärische Maßnahmen wurden nicht angekündigt.
Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie eng die beiden Länder in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet haben.
Eine Partnerschaft mit klaren Grenzen
Iran hat Drohnen und Munition für Russlands Krieg in der Ukraine geliefert. Gleichzeitig verkaufte Moskau fortschrittliche Waffensysteme an Teheran. Nach dem zwölf Tage dauernden Krieg mit Israel im Sommer 2025, bei dem Irans Luftverteidigung großflächig ausgeschaltet wurde, soll Iran 500 tragbare Flugabwehrsysteme vom Typ Verba sowie 2.500 Luftabwehrraketen aus Russland gekauft haben.
Das sind konkrete Geschäfte. Frachtschiffe, die nachts anlegen, Militärtransportflugzeuge, die das Kaspische Meer überqueren. Die Zusammenarbeit zeigt sich in der Logistik.
Doch als Iran nun militärisch unter Druck gerät, geht Russland nicht über Worte hinaus.
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Olli Ruohomaki vom Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten sagte der Kyiv Independent, er sehe nicht, dass Moskau Iran zu Hilfe eilen werde. Er bezeichnete die Beziehung als im Wesentlichen transaktional und verwies darauf, dass Russland tief in den Krieg in der Ukraine verstrickt sei.
Anderswo gebunden
Der Krieg in der Ukraine bindet russische Ressourcen. Laut der Analyse produziert Russland inzwischen eigene Varianten der iranischen Shahed-Drohnen und ist daher weniger auf neue Lieferungen angewiesen.
Julian G. Waller von der George Washington University sagte der Kyiv Independent, die Beziehung sei kein Verteidigungsbündnis, und es sei unwahrscheinlich, dass Russland militärisch eingreifen würde, um Iran in einer entscheidenden Lage zu retten.
Gleichzeitig hat sich Iran unter dem Druck von Sanktionen und innenpolitischer Unruhe zunehmend auf Moskau gestützt – sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.
Unterstützung hinter den Kulissen
In der Analyse wird beschrieben, dass Russlands Rolle in Irans innerem Sicherheitsapparat deutlicher sichtbar war. Während der umfangreichen Proteste im Winter wurden das Internet abgeschaltet sowie GPS- und Satellitensignale gestört.
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Arash Beidollahkhani von der University of Manchester sagte der Kyiv Independent, russische Technologie und Expertise seien im Hintergrund erkennbar gewesen, insbesondere im Bereich der elektronischen Kriegsführung und Überwachung. Seit den 2010er-Jahren habe Moskau Systeme zur Signalaufklärung sowie Schulungen im Umgang mit Unruhen geliefert.
Die Länder haben zudem zusammengearbeitet, um westliche Sanktionen über alternative Transportwege und eine sogenannte Schattenflotte für den Ölexport zu umgehen.
Eigene Interessen überwiegen
Dass Russland nun ein niedriges Profil wahrt, könnte laut Analyse mit umfassenderen strategischen Überlegungen zusammenhängen. Richard Betts von der Columbia University sagte der Kyiv Independent, Wladimir Putin habe möglicherweise eine stärkere Reaktion vermieden, um US-Präsident Donald Trump nicht zu verärgern, der versucht, eine Einigung im Ukraine-Konflikt zu erreichen.
Zudem gibt es energiepolitische Motive. Ein Iran, der wieder in die Weltwirtschaft integriert wird und Gas nach Europa verkauft, könnte direkt mit russischen Lieferungen konkurrieren.
Laut der Analyse der Kyiv Independent zeigen die Ereignisse, dass die Beziehung zwischen Moskau und Teheran eng ist – aber nicht grenzenlos. Als die Krise kam, entschied sich Russland, bei diplomatischen Stellungnahmen zu bleiben.
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Quelle: Kyiv Independent