Sie müssen sich für eine Seite entscheiden.
Wenn eine kleinere Nation neue Allianzen anstrebt, lassen ihre alten Partner selten kampflos los.
Ein Land befindet sich nun zwischen einem alten Militärverbündeten und dem Versprechen einer westlichen Zukunft gefangen.
Eine strikte Frist
Russische Beamte haben Armenien einen klaren Zeitplan vorgelegt, um sich für eine Seite zu entscheiden. Moskau erwartet von der armenischen Regierung, dass sie bis Dezember ein Referendum abhält, um zwischen der Europäischen Union und der Eurasischen Wirtschaftsunion zu wählen.
Michail Galusin, der russische Vizeaußenminister, erläuterte die Forderung gegenüber staatlichen Medien. Laut The Moscow Times, zitiert von Digi24, bereitet der Kreml weitere Maßnahmen vor, falls die Frist ignoriert wird.
Galusin versprach Konsequenzen. Er erklärte: „Sollte der Aufruf zu einem Referendum bis dahin nicht beachtet werden, werden die Staats- und Regierungschefs dies berücksichtigen.“
Warten auf Europa
Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan sieht die Situation anders. Eine voreilige Volksabstimmung mache jetzt keinen Sinn, argumentiert er.
Er besteht darauf, dass ein Referendum erst stattfinden sollte, nachdem die Nation den offiziellen EU-Kandidatenstatus erhalten hat. Ohne diese klare Garantie müssten die Wähler zwischen ihrer aktuellen Wirtschaft und einer rein theoretischen Option wählen.
Moskau lehnte diese Verzögerung ab. Galusin fragte: „Sind Sie bereit, die EAWU-Mitgliedschaft für die nicht ganz sichere Aussicht auf einen zukünftigen EU-Beitritt aufzugeben?“
Unbezahlte Militärbeiträge
Das wirtschaftliche Ultimatum geht einher mit einem heftigen Militärstreit. Russland fordert, dass Armenien seine Beiträge an die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit wieder aufnimmt.
Armenien fror seine Teilnahme an dem Bündnis im Februar 2024 ein. Bis Mai stellte die Regierung ihre finanziellen Beiträge vollständig ein. Eriwan unternahm diesen Schritt, weil der Sicherheitsblock während seines Konflikts mit Aserbaidschan keine Unterstützung leistete.
Laut TASS werden sich die Mitgliedstaaten am 11. November in Moskau treffen. Sie könnten über die Entziehung der verbleibenden Rechte Armeniens aufgrund der fehlenden Gelder abstimmen.
Schwindende historische Bindungen
Die diplomatischen Beziehungen haben sich in diesem Jahr rapide verschlechtert. Nach einem angespannten Gespräch über Demokratie im April blockierten die russischen Behörden die Einfuhr mehrerer armenischer Produkte.
Im Mai verschlechterte sich die Lage. Paschinjan nahm nicht an der Siegesparade in Moskau teil. Er erklärte offen, dass er die russische Militärkampagne in der Ukraine nicht unterstütze.
Der Kreml reagierte unverblümt. Präsident Wladimir Putin forderte die armenische Regierung auf, ihren Weg schnell zu entscheiden, und warnte sie eindringlich, sich an das Schicksal der Ukraine zu erinnern.
Quellen: TASS, The Moscow Times, Digi24