Europäische Geheimdienstvertreter warnen vor einer neuen Phase in Russlands Schattenkrieg gegen den Westen.
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Im Fokus stehen dabei nicht Panzer oder Raketen, sondern Grundbucheinträge, sichere Unterschlupfe und verdeckte Infrastruktur.
Sicherheitskreisen zufolge könnte Moskau die Voraussetzungen für Sabotageoperationen auf dem gesamten Kontinent schaffen.
Mutmaßliches Immobiliennetzwerk
Aktuelle und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter erklärten gegenüber The Telegraph, russische Agenten hätten in mindestens einem Dutzend europäischer Länder Immobilien in der Nähe sensibler militärischer und ziviler Einrichtungen erworben.
Dem Bericht zufolge könnten diese Häuser als Überwachungsstützpunkte, Drohnenstartplätze oder Basen für verdeckte Operationen dienen.
Einige Gebäude seien möglicherweise bereits mit Ausrüstung ausgestattet oder für eine spätere Aktivierung vorbereitet, so die Beamten. Öffentliche Beweise zur Bestätigung konkreter Standorte wurden jedoch nicht vorgelegt.
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Der Kreml hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert.
Taktik der hybriden Kriegsführung
Westliche Nachrichtendienste sehen in den mutmaßlichen Aktivitäten einen Teil einer umfassenderen Strategie der „hybriden Kriegsführung“, bei der Cyberangriffe, Sabotage und verdeckte Operationen kombiniert werden, ohne eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren.
Seit Beginn der Invasion in der Ukraine haben sich laut europäischen Behörden Sabotageakte mit mutmaßlichem Russlandbezug gehäuft, darunter Brandanschläge, Paketbombenpläne und angebliche Attentatsversuche.
Ein Geheimdienstmitarbeiter sagte The Telegraph: „Eine Sabotagekampagne führt weniger wahrscheinlich zu einem Konsens über Artikel 5“, in Anspielung auf die Beistandsklausel der NATO.
Indem es unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges bleibt, könnte Moskau laut Analysten versuchen, bestehende Spannungen innerhalb des Bündnisses auszunutzen.
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Zunehmende Spannungen
Der Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Blaise Metreweli, warnte kürzlich, Großbritannien operiere „in einem Raum zwischen Frieden und Krieg“ und beschrieb Russland als Akteur, der gezielt nach Schwachstellen unterhalb eines groß angelegten Konflikts suche.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ging noch weiter und erklärte, Moskau habe den Konflikt faktisch bereits über die Ukraine hinaus ausgeweitet.
„Russland will der Welt eine andere Lebensweise aufzwingen und das Leben verändern, das die Menschen für sich selbst gewählt haben“, sagte Selenskyj.
Unterdessen bekräftigte Präsident Wladimir Putin anlässlich des Tages des Verteidigers des Vaterlandes, dass die Stärkung der russischen nuklearen Triade „eine absolute Priorität“ bleibe.
„Die Entwicklung der nuklearen Triade, die als Garantie für Russlands Sicherheit dient und wirksam strategische Abschreckung sowie das globale Kräftegleichgewicht gewährleistet, bleibt eine absolute Priorität“, sagte Putin.
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Als Länder mit einer vollständigen nuklearen Triade gelten allgemein nur die Vereinigten Staaten, Russland, Indien und China.
Quellen: The Telegraph, BBC, The Sun