Eine verlassene Anlage aus der Sowjetzeit wird wieder in Betrieb genommen.
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Russland hat nach Angaben von Journalisten und Analysten, die neue Satellitenbilder ausgewertet haben, mit sichtbaren Bauarbeiten nahe seiner Grenze zu Finnland begonnen.
Die Aktivitäten scheinen sich auf die Wiederbelebung älterer Militärstandorte sowie den Bau völlig neuer Einrichtungen zu konzentrieren, was Fragen zu Moskaus längerfristiger Haltung in der Region aufwirft.
Wiederbelebung einer nördlichen Basis
Der finnische öffentlich-rechtliche Sender Yle berichtete, dass Satellitenbilder aus dem Zeitraum zwischen Juni 2024 und Oktober 2025 erneute Bautätigkeiten auf dem Militärstützpunkt Rybka in Petrosawodsk in der russischen Republik Karelien zeigen.
Der Standort liegt etwa 175 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt.
Nach Angaben von Yle stammt der Stützpunkt aus der Sowjetzeit und war seit den frühen 2000er-Jahren weitgehend verlassen. Der Sender erklärte, er solle nun vom 44. Armeekorps genutzt werden, das dem Militärbezirk Leningrad untersteht.
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Yle berichtete zudem, dass Rybka bereits über einen großen Luftwaffenstützpunkt und ein Materiallager verfügt, was darauf hindeutet, dass der Standort relativ schnell reaktiviert werden könnte.
Neue Garnisonen entstehen
Das Institute for the Study of War (ISW) weist darauf hin, dass weiter nördlich Satellitenbilder aus Mai und August 2025 den Bau einer neuen Militärsiedlung in Kandalakscha in der Oblast Murmansk zeigen, etwa 115 Kilometer von Finnland entfernt, so Yle.
Der Sender erklärte, der Standort werde für die Garnison Luptsche-Sawino errichtet; die Bauarbeiten hätten im Winter 2024–2025 begonnen. Die Anlagen seien zur Unterstützung einer neuen Artilleriebrigade und einer Pionierbrigade vorgesehen.
ISW hatte bereits zuvor über weitere Erweiterungen der russischen Militärinfrastruktur entlang der finnischen Grenze berichtet.
Strategische Umstrukturierung
Russland habe seinen Westlichen Militärbezirk im Jahr 2024 in die Militärbezirke Leningrad und Moskau reorganisiert, so ISW.
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Analysten erklärten, dieser Schritt habe vermutlich darauf abgezielt, die Führungs- und Kontrollstrukturen im Norden zu stärken und Kräfte gegenüber dem jüngsten NATO-Mitglied zu positionieren.
ISW merkte außerdem an, dass die Aufstellung des 44. Armeekorps im Militärbezirk Leningrad Teil dieser umfassenderen Bemühungen sei.
Russische Regierungsvertreter, darunter Präsident Wladimir Putin, haben Finnland in der Vergangenheit wiederholt direkt gewarnt und dabei teilweise eine ähnliche Wortwahl verwendet wie jene, mit der Russlands Invasion in der Ukraine gerechtfertigt wurde.
Der Winterkrieg
In den frühen Monaten des Zweiten Weltkriegs griff die Sowjetunion Finnland an. Dank des erbitterten finnischen Widerstands kam die Invasion jedoch zum Stillstand und endete in einer sowjetischen Niederlage.
Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit erlitt die Sowjetunion während der viermonatigen Kämpfe mehr als 300.000 Verluste, darunter bis zu 168.000 Tote oder Vermisste.
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Im Vergleich dazu beliefen sich die Gesamtverluste Finnlands auf etwa 70.000, davon nahezu 26.000 Tote oder Vermisste.
Der sogenannte Winterkrieg endete jedoch damit, dass Finnland rund 10 Prozent seines Staatsgebiets an Russland abtreten musste.
Quellen: Finnischer Rundfunk Yle, Institute for the Study of War (ISW)