Die diplomatische Initiative löste umgehend heftige Empörung aus.
Wenn sich internationale Allianzen verschieben, öffnen sich oft plötzlich vergessene Kommunikationskanäle wieder.
Manche Regierungen entscheiden sich dafür, Brücken still und leise wieder aufzubauen, die andere jahrelang versucht haben, einzureißen.
Doch wenn solche umstrittenen Gespräche zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt stattfinden, ist eine heftige öffentliche Gegenreaktion nahezu garantiert.
Wiederaufnahme alter Beziehungen
Bratislava und Moskau sprechen offiziell wieder miteinander. Der slowakische Außenminister Juraj Blanár führte kürzlich einen Videoanruf mit einem hochrangigen russischen Beamten, um zukünftige Pläne zu besprechen.
Laut Onet sprach er direkt mit Waleri Falkow, dem russischen Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung. Sie erörterten die Wiederbelebung einer ruhenden gemeinsamen Kommission.
Die bilaterale Gruppe befasst sich mit wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit. Sie ist seit 2021 nicht mehr zu einer Sitzung zusammengetreten, doch das neu vorgeschlagene Herbsttreffen soll dies ändern.
Ein schreckliches Jubiläum
In Bratislava löste die diplomatische Initiative umgehend heftige Empörung aus. Oppositionsführer wiesen schnell auf den höchst umstrittenen Zeitpunkt hin.
Der Videoanruf fand genau an dem Tag statt, an dem ein tödlicher russischer Drohnen- und Raketenangriff die Ukraine traf und ein weiteres Menschenleben forderte. Und das freundliche Gespräch ereignete sich nur Stunden vor dem 58. Jahrestag der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei.
Trotz des heftigen Widerstands verteidigt die Regierung ihren diplomatischen Ansatz vehement. „Heute haben wir uns mit der russischen Seite auf organisatorische Fragen zur Vorbereitung der Kommissionssitzung geeinigt, die wir für diesen Herbst planen“, sagte Blanár den Medien.
Er fügte hinzu, die Slowakei werde ihre „Außenpolitik fortsetzen, die auf alle Teile der Welt ausgerichtet ist und auf der Aufrechterhaltung des Dialogs mit allen an pragmatischer Zusammenarbeit interessierten Ländern basiert.“
Ein gefährlicher Partner
Der Vorstoß zur Wiederaufnahme der gemeinsamen Kommission kommt direkt von höchster Stelle. Ministerpräsident Robert Fico und der russische Präsident Wladimir Putin haben persönlich beschlossen, die diplomatische Zusammenarbeit wieder aufzunehmen.
Während lokale Medien feststellten, dass die bevorstehenden Gespräche keine europäischen Sanktionen gegen Russland unmittelbar verletzten, gaben sie eine klare Warnung ab. Niemand könne garantieren, dass zukünftige Vereinbarungen innerhalb dieser rechtlichen Grenzen blieben.
Die Wahl des russischen Vertreters befeuerte ebenfalls die intensive innenpolitische Wut. Das Portal aktuality.sk berichtete, dass Kritiker Falkow als einen der lautstärksten Befürworter der anhaltenden militärischen Aktion gegen die Ukraine betrachteten.
Der russische Minister befürwortet aktiv die Einführung einer „patriotischen Erziehung“ im ganzen Land und unterstützt nachdrücklich den Militärdienst für Universitätsstudenten. Ukrainische Geheimdienstmitarbeiter haben ihn auch direkt mit der Zwangsumsiedlung und Russifizierung von Kindern aus besetzten Gebieten in Verbindung gebracht.
Quellen: Onet, Polnische Presseagentur, aktuality.sk