Der menschliche Wunsch, die Dunkelheit zu besiegen, hat die Innovation seit Jahrhunderten vorangetrieben, von der Erfindung der einfachen Kerze bis hin zu riesigen modernen Stromnetzen. Manchmal jedoch blicken Ingenieure weit über die Atmosphäre hinaus, um einen Weg zu finden, unsere Nächte zu erhellen.
Diese kosmische Ambition hat eine lange Geschichte und erfährt nun plötzlich eine völlig neue Wiederbelebung, wie WPTech berichtet.
Geschichte des Weltraumspiegels
In den frühen 1990er-Jahren arbeiteten russische Wissenschaftler an einem kühnen Plan, die Nacht zum Tag zu machen. Sie bauten einen riesigen Spiegel. Der bekannte Raumfahrtingenieur Vladimir Syromyatnikov entwarf das System, das ursprünglich aus frühen sowjetischen Forschungen zu Sonnensegeln hervorging.
Schließlich verschoben sich die Prioritäten. Statt nur Raumfahrzeuge anzutreiben, wollten die Planer die Produktivität in schlecht beleuchteten Regionen steigern. Sie hofften, Arbeitern in abgelegenen Gebieten wie Sibirien zu helfen. Das erste Testmodell verließ nie den Boden, doch der nächste Prototyp schrieb Geschichte, als er die Umlaufbahn erreichte.
Dieses neue Modell, Znamya 2 genannt, wog weniger als vier Kilogramm. Es war unglaublich leicht. Am 4. Februar 1993 entfaltete sich die ultradünne, aluminiumbeschichtete Kunststoffscheibe erfolgreich im Weltraum und strahlte kurz vor Sonnenaufgang einen vier Kilometer breiten Lichtkegel auf Europa. Es bewies, dass künstliche Beleuchtung aus dem Weltraum tatsächlich möglich war.
Moderne kosmische Ambition
Sechs Minuten lang glitt das künstliche Licht über den verdunkelten Planeten. Es funktionierte. Laut dem polnischen Technologieportal WPTech beobachteten Kosmonauten auf der Mir-Station den schwachen Kreis, der sich unter ihnen bewegte, während Beobachter auf der Erde trotz dichter Wolken einen kurzen Lichtblitz bemerkten.
Doch der Erfolg währte nicht lange. Ein größerer Folgespiegel, Znamya 2.5, wurde 1999 bei einem Entfaltungsversuch schwer beschädigt. Das Experiment endete in einem Fehlschlag. Daraufhin gab das Team das Projekt vollständig auf und sagte alle zukünftigen Starts ab.
Nun bringt ein privates amerikanisches Startup das Konzept zurück. WPTech berichtete, dass die US-amerikanische Federal Communications Commission kürzlich Reflect Orbital die Genehmigung erteilt hat, einen eigenen Spiegelsatelliten zu starten. Sie wollen schließlich 50.000 dieser Geräte um die Erde kreisen lassen.
Dennoch sind Astronomen zutiefst besorgt über Lichtverschmutzung und zerstörte Nachthimmel. Sie befürchten, dass die hellen Reflexionen wichtige wissenschaftliche Forschungen stören werden. Die wissenschaftliche Entdeckung steht auf dem Spiel.
Quellen: WPTech