Die Katastrophe von Crans-Montana hat eine Debatte ausgelöst, die weit über den betroffenen Ort hinausreicht. Im Zentrum steht nicht nur ein einzelnes Unglück, sondern die Frage, wie verlässlich lokale Kontrollsysteme funktionieren, wenn viele Zuständigkeiten zusammenkommen.
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In der Silvesternacht kam es in der Bar Le Constellation zu einem Brand mit tödlichen Folgen. Zahlreiche Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Das junge Alter vieler Opfer verstärkte die Erschütterung in der Schweiz.
Der Gemeinderat informierte kurz darauf über den Stand der Erkenntnisse. Gemeindepräsident Nicolas Féraud sprach von einer tiefen Betroffenheit und davon, dass die Gemeinde selbst mit offenen Fragen konfrontiert sei, wie SRF berichtet.
Die Tragödie hat das Vertrauen in lokale Sicherheitsmechanismen nachhaltig beschädigt.
Aufsicht mit Lücken
Nach übereinstimmenden Berichten von SRF und BR24 wurde das Lokal zuletzt 2019 brandschutztechnisch kontrolliert. Frühere Überprüfungen fanden 2016 und 2018 statt, dabei wurden Anpassungen verlangt.
Gesetzlich vorgesehen wären jährliche Kontrollen gewesen. Diese blieben zwischen 2020 und 2025 jedoch aus. Weshalb ein solches Intervall unbemerkt blieb, konnte die Gemeinde bislang nicht erklären. Die Ursachen sollen nun strafrechtlich geklärt werden.
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Bestimmte bauliche Elemente, darunter Schaumstoffverkleidungen, waren den Behörden nach eigenen Angaben nicht bekannt. Ob sie den Vorschriften entsprachen, ist weiterhin offen.
Politik unter Erklärungsdruck
Die Staatsanwaltschaft prüft mögliche Pflichtverletzungen bei Verantwortlichen. Spekulationen über Korruption oder persönliche Nähe zwischen Kontrolleuren und Betreibern wies Féraud zurück, wie BR24 berichtet.
Forderungen nach seinem Rücktritt lehnte der Gemeindepräsident ab. In einer Krise müsse politische Führung gewährleistet bleiben, erklärte er sinngemäß. Zugleich machte er den Betreibern schwere Vorwürfe und sprach von verantwortungslosem Verhalten.
Ein weiteres Lokal des Betreiberpaars in Crans-Montana verlor inzwischen seine Betriebserlaubnis.
Konsequenzen und Ausblick
Als unmittelbare Reaktion untersagte die Gemeinde pyrotechnische Gegenstände in geschlossenen Räumen. Zukünftige Brandschutzkontrollen sollen durch externe Fachstellen erfolgen.
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Zudem will sich Crans-Montana dem Strafverfahren anschließen, um Einblick in die Ermittlungen zu erhalten. Ziel sei es, Lehren zu ziehen und Strukturen zu überprüfen, wie SRF berichtet.
Am Freitag begeht die Schweiz einen nationalen Trauertag. Die Diskussion über Aufsicht, Ressourcen und Verantwortung in touristischen Gemeinden dürfte jedoch weit darüber hinaus andauern.
Quellen: BR24, SRF