Russlands Generalstabschef sagte gestern, dass russische Streitkräfte im Jahr 2026 1700 km² erobert hätten – doch die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich bei einem Drittel davon.
Russlands oberster Militäroffizier hat erneut weitreichende Geländegewinne in der Ukraine gemeldet und damit ein Bild gezeichnet, das stark von unabhängigen Einschätzungen abweicht.
Am Dienstag zitierte Reuters den russischen Generalstabschef Valery Gerasimov mit der Aussage, dass russische Streitkräfte seit Anfang 2026 mehr als 1.700 Quadratkilometer und 80 Siedlungen erobert hätten, darunter die gesamte Region Luhansk.
Er behauptete auch, dass allein im März und April 700 Quadratkilometer und 34 Siedlungen eingenommen worden seien.
Die Behauptungen wurden nicht unabhängig überprüft und stimmen überhaupt nicht mit den Daten vom Schlachtfeld überein.
Schlachtfelddaten zeigen Stillstand
Am 31. März veröffentlichte das Institute for the Study of War (ISW) ein Update zum Krieg, das eine ganz andere Situation zeigte als die neuen Behauptungen Gerasimovs.
Anhand der vorliegenden Daten schätzt der Thinktank, dass Russland im Januar 2026 363,3 km², im Februar 152,4 km² und im März nur 5,46 km² gewonnen hat.
Diese Zahlen addieren sich auf 521,16 km² – weniger als ein Drittel dessen, was Gerasimov behauptet.
Es ist zu beachten, dass seit dem ISW-Bericht drei Wochen vergangen sind, was bedeutet, dass das tatsächlich von den russischen Streitkräften im Jahr 2026 gewonnene Gebiet inzwischen größer sein könnte. Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, dass Russland in wenigen Wochen 1.200 km² hinzugewinnen konnte, wenn es in drei Monaten nicht mehr als 521 km² gewinnen konnte.
Militärblogger kritisieren „schöne Berichte“
Das ISW stellt in seinem Update vom 21. April fest, dass selbst prorussische Militärblogger offizielle Behauptungen infrage gestellt haben, insbesondere hinsichtlich der Fortschritte bei Kupjansk und anderen umkämpften Gebieten.
Einige haben Kommandeure beschuldigt, übermäßig optimistische Schlachtfeldberichte einzureichen, die von der Blogger-Community als „schöne Berichte“ bezeichnet werden.
Diese Kritik umfasst Vorwürfe, Siedlungen ohne Überprüfung als erobert zu zählen und der Führungsebene übertriebene Fortschritte zu präsentieren.
Gerasimovs wiederholte Bezugnahmen auf bereits früher beanspruchte Gewinne als jüngste Entwicklungen haben ebenfalls Misstrauen geweckt, wobei Analysten vermuten, dass dieser Ansatz ein irreführendes Gefühl von Dynamik erzeugt.
Quellen: Institute for the Study of War (ISW), Reuters