Der frühere finnische Parlamentsabgeordnete Ano Turtiainen lebt inzwischen in Russland. Was als persönlicher Umzug begann, hat sich zu einem politisch heiklen Vorgang entwickelt, der Fragen zu Loyalität, Sicherheit und öffentlicher Verantwortung aufwirft.
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Nach der finnischen Zeitung Iltalehti erklärte Turtiainen öffentlich, Russland habe ihm politisches Asyl gewährt. Er sagte, er sei zu einem Termin bei einer Moskauer Migrationsbehörde geladen worden, bei dem auch Medien anwesend gewesen seien. Russische Medien hätten darüber bereits berichtet.
Turtiainen hält sich nach eigenen Angaben seit dem Herbst in Russland auf. Er schilderte, Bekannte aus Russland hätten ihm nahegelegt, Finnland umgehend zu verlassen. Heute lebt er mit seiner Partnerin in Petrosawodsk; auch sie habe einen Schutzstatus erhalten. Das Verfahren sei schneller abgeschlossen worden als erwartet.
Politischer Bruch
Mehrere Iltalehti-Berichte zeigen Turtiainen als politisch isolierte Figur. Er war von 2019 bis 2023 Abgeordneter, zunächst für die rechtspopulistische Partei Die Finnen, später für seine eigene Kleinpartei. Der Versuch eines Comebacks scheiterte 2023 deutlich.
Wie Iltalehti berichtet, ist sein Name zudem mit offenen Forderungen des finnischen Parlaments verbunden. Es geht um Fraktionszuschüsse, deren Verwendung nicht belegt wurde. Die Angelegenheit landete bei der Zwangsvollstreckung und verstärkte den Bruch mit den Institutionen, denen er einst angehörte.
Militär und Rechtslage
Eine zusätzliche Dimension beschreibt Iltalehti unter Verweis auf Helsingin Sanomat. Demnach könnte Turtiainen in Russland mit einer Militärverpflichtung konfrontiert werden.
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Grundlage ist ein Erlass von Präsident Wladimir Putin, der ausländischen Männern eine Aufenthaltserlaubnis in Aussicht stellt, wenn sie einen Vertrag mit Armee oder Katastrophenschutz eingehen.
Der Bericht betont, dass diese Regel insbesondere relevant wäre, falls ein Asylstatus nicht greift. Als Alternative wird ein sogenanntes wertebasiertes Visum genannt.
Öffentliche Empörung
Die größte Aufregung lösten jedoch Turtiainens eigene Aussagen aus. In einem weiteren Beitrag berichtet Iltalehti, er habe erklärt, er sei bereit, in der russischen Armee zu dienen und notfalls auch gegen Finnen zu kämpfen.
Abgeordnete wie Jarno Limnell werteten dies laut Iltalehti als schwerwiegenden Loyalitätsbruch.
Iltalehti schildert zusätzlich die Kontroverse um einen drastischen Kommentar des Abgeordneten Tere Sammallahti, der sich auf Drohnenangriffe im Ukrainekrieg bezog und so verstanden wurde, dass er den Tod Turtiainens an der Front in Kauf nehme. Der Beitrag löste breite Kritik aus.
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Symbolische Dimension
Der Fall verbindet persönlichen Rechtsstatus, politische Vergangenheit und sicherheitspolitische Rhetorik. Dass ein ehemaliger Abgeordneter offen über Asyl in Russland und militärische Einsatzbereitschaft spricht, verleiht dem Vorgang eine Symbolkraft, die weit über individuelle Entscheidungen hinausgeht.
Quelle: Iltalehti