Finnland ist historisch und geografisch dauerhaft von der Nähe zu Russland geprägt. Statt Alarmismus prägen Planung, Erfahrung und gesellschaftliche Routine den Umgang mit Risiken. Außenministerin Elina Valtonen beschreibt diesen Ansatz als Ergebnis von Geschichte und politischer Konsequenz.
Gerade lesen andere
In Finnland gilt Sicherheit nicht als Ausnahmezustand, sondern als Teil des Alltags. Gesellschaftliche Widerstandskraft werde nicht politisch verordnet, sondern sei historisch gewachsen.
Im Interview mit ZDFheute machte Valtonen mehrfach deutlich, dass dieses Denken tief verankert ist. Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg hätten das Bewusstsein geprägt, dass Unabhängigkeit nicht selbstverständlich sei.
Verteidigungsbereitschaft werde deshalb als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden. Freiheit, Demokratie und Gleichstellung seien Werte, die diesen Zusammenhalt tragen.
Andere Ausgangslage
Finnlands Sicherheitsdenken unterscheidet sich von dem vieler EU-Staaten. Während andere Länder nach dem Kalten Krieg Abrüstung priorisierten, hielt Finnland an Wehrpflicht und Totalverteidigung fest.
Diese Kontinuität erklärt, warum Vorsorge heute nicht als Eskalation wahrgenommen wird. Vorbereitung sei Teil staatlicher Verantwortung, nicht Ausdruck von Angst.
Lesen Sie auch
Bemerkenswert ist dabei weniger die militärische Stärke als die gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, mit der sie akzeptiert wird.
Grenze im Blick
Die lange Grenze zu Russland bleibt ein strategischer Faktor. Dennoch sieht die finnische Regierung derzeit keine akute Bedrohung.
Valtonen verwies im ZDFheute-Interview darauf, dass sich die russische Präsenz dort zuletzt verringert habe, unter anderem durch Truppenverlegungen in die Ukraine. Auch der Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens habe die Lage verändert.
Die Lage an der mehr als 1.300 Kilometer langen Grenze wird aufmerksam verfolgt, ohne sie öffentlich als akute Dauerkrise darzustellen.
Ukraine und Rolle Europas
Finnland unterstützt die Ukraine unter anderem politisch und durch Lieferungen militärischer Ausrüstung. Dabei geht es weniger um Führungsanspruch als um Verlässlichkeit im Verbund mit Partnern.
Lesen Sie auch
In dem ZDFheute-Interview betonte Valtonen, dass gemeinsames Handeln entscheidend sei. Europa, die Ukraine und die Vereinigten Staaten müssten abgestimmt auftreten.
Diese Haltung spiegelt Finnlands generellen Ansatz wider: Sicherheit entsteht aus Kooperation, nicht aus nationalem Alleingang.
Nato ohne Zweifel
Zweifel an der Nato teilt Valtonen nicht. Sie beschreibt das Bündnis als gefestigt, vor allem durch höhere europäische Beiträge.
Ein stärkeres Engagement Europas erhöhe langfristig auch die Bindung der USA. Für Finnland ist die Nato damit ein zentraler, aber nicht alleiniger Pfeiler der Sicherheit.
Entscheidend bleibe der politische Wille zur Zusammenarbeit.
Lesen Sie auch
Quelle: ZDFheute