Washington sendet derzeit widersprüchliche Signale nach Lateinamerika. Auf scharfe Drohungen folgen Gesprächsangebote, auf diplomatische Gesten neue Blockaden. Der außenpolitische Kurs von US-Präsident Donald Trump wirkt sprunghaft.
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Kolumbien und Kuba stehen dabei für zwei sehr unterschiedliche Antworten auf denselben Machtanspruch.
Druckmittel Washingtons
Gegenüber Kolumbien setzte Trump zunächst auf Eskalation. Nach scharfer Kritik des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro an der US-Aktion in Venezuela stellte Trump offen eine militärische Intervention in Aussicht, wie Welt berichtet.
Im Fall Kuba wählte Trump wirtschaftlichen Druck. Nach Angaben der Tagesschau drohte er der kommunistischen Regierung in Havanna damit, künftig kein Öl mehr aus Venezuela zu erhalten. Kuba müsse „einen Deal abschließen, bevor es zu spät ist“, schrieb Trump auf Truth Social.
Kuba wies die Drohungen umgehend zurück. Außenminister Bruno Rodríguez warf den USA laut Tagesschau Erpressung vor und erklärte, sein Land lasse sich nicht unter Druck setzen.
Rechtliche Grenzen
In Kolumbien zeigte sich schnell, dass Trumps Drohkulisse begrenzt ist. Petro ist demokratisch legitimiert, was eine militärische Intervention völkerrechtlich hoch problematisch machen würde, wie Welt berichtet.
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Zudem wäre der politische Widerstand erheblich. US-Senator Rand Paul warnte vor einem militärischen Vorgehen ohne Zustimmung des Kongresses, eine Kritik, die ebenfalls von Welt aufgegriffen wurde.
Gegen Kuba hingegen setzt Washington bewusst auf indirekte Mittel. Trump erklärte selbst, ein militärisches Eingreifen sei nicht nötig, da die Regierung in Havanna ohne venezolanisches Öl wirtschaftlich kollabieren werde, berichtet die Tagesschau.
Regionale Signalwirkung
Die überraschende Annäherung an Kolumbien folgte auf ein 55-minütiges Telefonat zwischen Trump und Petro. Beide bezeichneten das Gespräch als außergewöhnlich, wie Welt unter Berufung auf New York Times berichtet.
Petro erklärte, er habe Trump zugesichert, den Kampf gegen Drogenproduktion und Schmuggel zu verschärfen. Zugleich bleibt Kolumbien ein zentraler sicherheitspolitischer Partner der USA, wie Welt unter Berufung auf Washington Post berichtet.
Beobachter, auf die sich Welt bezieht, sehen darin kein Umdenken, sondern taktisches Vorgehen. Während Kolumbien durch Dialog eingebunden wird, dient Kuba als abschreckendes Beispiel. Trumps Botschaft an die Region ist eindeutig: Kooperation wird belohnt, Widerstand erhöht den Preis.
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Quellen: New York Times, Tagesschau, Welt, Washington Post