Startseite Politik Trumps neuer Handelskorridor kostet Putin einen alten Verbündeten

Trumps neuer Handelskorridor kostet Putin einen alten Verbündeten

President Donald Trump meets with Russian President Vladimir Putin
The White House, Public domain, via Wikimedia Commons

Das „Silicon Valley der Sowjetunion“ blickt zunehmend nach Westen.

Kleine Nationen, die zwischen globalen Giganten gefangen sind, müssen oft ein riskantes Überlebensspiel spielen.

Wenn ein historischer Verbündeter sich abwendet, wird die Suche nach neuen Freunden zu einer Frage von Leben und Tod.

Für ein Land im Kaukasus schreibt diese Suche die regionalen Karten komplett neu – und lässt Wladimir Putin einen langjährigen Verbündeten verlieren.

Eine gefährliche Wende

Armenien wendet sich von Russland ab und dem Westen zu. Laut einer Analyse von Adrian Blomfield, Senior Foreign Correspondent des Telegraph, hat dieser Schritt die Nation zu einem wichtigen geopolitischen Schlachtfeld gemacht, das intensives Interesse aus Washington und Europa auf sich zieht.

Dieser Richtungswechsel folgt auf ein tiefes Gefühl des Verrats. Viele Armenier fühlten sich 2023 im Stich gelassen, als russische Friedenstruppen tatenlos zusahen, wie aserbaidschanische Streitkräfte die Region Bergkarabach übernahmen. Nun will Premierminister Nikol Pashinyan diese Katastrophe nutzen, um neue Beziehungen zu alten Rivalen aufzubauen.

Doch Moskau wehrt sich im Vorfeld der Wahlen im nächsten Monat vehement. Eine Flut von Online-Desinformation und schmutzigem Geld strömt ins Land.

Es ist eine deutliche Warnung. Wladimir Putin erklärte sogar im Fernsehen, dass eine Annäherung an Europa einen Konflikt wie den in der Ukraine auslösen könnte.

Die Trump-Route

Hinter den Kulissen ist eine überraschende neue wirtschaftliche Lebensader von jenseits des Atlantiks entstanden. Donald Trump schlug einen 43 Kilometer langen Transportkorridor vor, der direkt durch Südarmenien führt. Die Europäische Union unterstützt den Plan bereits.

Die Route würde Zentralasien direkt mit Europa verbinden, während sie sowohl Russland als auch Georgien umgeht. Sie könnte den regionalen Handel komplett verändern.

Thomas de Waal, Südkaukasus-Experte bei Carnegie Europe, sagte gegenüber dem Telegraph, dies sei das vielversprechendste aller Friedensabkommen, die Donald Trump befürwortet habe.

Ehemalige Sowjetrepublik

Armenien wurde 1922 Teilrepublik der Sowjetunion, nachdem es von der Roten Armee besetzt worden war. Im September 1991 erlangte das Land nach dem Zerfall der UdSSR seine Unabhängigkeit.

Während der Sowjetzeit entwickelte sich Armenien zu einem Industrie- und Technologiezentrum, nachdem es zuvor hauptsächlich ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland gewesen war.

Das Magazin EVN Report bezeichnete Armenien in einem Artikel aus dem Jahr 2021 sogar als das „Silicon Valley der Sowjetunion“.

Die 1930er-Jahre waren in Armenien von weitreichenden politischen Säuberungen sowie massiver Unterdrückung der intellektuellen und religiösen Freiheit geprägt.

Quellen: The Telegraph, EVN Report