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EU-Abgeordnete fordern FIFA-Ethikprüfung gegen Infantino

EU-Abgeordnete fordern FIFA-Ethikprüfung gegen Infantino
IMAGO / ZUMA Press Wire

Der Streit bringt Sport, Politik und Verbandsführung auf dasselbe Spielfeld. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die mächtigste Institution des Fußballs ihre eigenen Regeln einhält.

FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht sich erneut mit Forderungen nach einer Überprüfung durch 50 Mitglieder des Europäischen Parlaments konfrontiert. Sie wollen, dass die Ethikkommission des Weltfußballverbands untersucht, ob er gegen die Regeln zur politischen Neutralität verstoßen hat, berichtet NRK.

Im Mittelpunkt der Forderung steht der erste FIFA-Friedenspreis, der Donald Trump während der Auslosung der Weltmeisterschaft im Dezember verliehen wurde. Der Brief wurde von einzelnen Abgeordneten und nicht von der EU als Institution versandt, signalisiert jedoch eine wachsende politische Besorgnis über die Führung der FIFA.

Abgeordnete stellen Unabhängigkeit der FIFA infrage

Laut NRK unterstützen die Abgeordneten eine formelle Beschwerde der Organisation FairSquare, die sich für Menschenrechte und gute Verbandsführung im Sport einsetzt. Die Organisation argumentiert, dass sowohl die Preisverleihung als auch Infantinos öffentliche Unterstützung für Trump ernsthafte Fragen hinsichtlich der Verpflichtung der FIFA zur politischen Neutralität aufwerfen.

Der dänische Europaabgeordnete Niels Fuglsang sagte gegenüber NRK:

„Ich hoffe, dass die europäischen Verbände ihre Stimme erheben, denn wir sind inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem die FIFA unter Infantino völlig vom Kurs abgekommen ist.“

Es geht um weit mehr als nur eine Preisverleihung. Die Ethikregeln der FIFA sollen den Weltfußball von parteipolitischen Interessen fernhalten und die Organisation davor schützen, zur Förderung mächtiger Politiker oder Regierungen genutzt zu werden.

Solche Bedenken wurden bereits früher geäußert. Im Jahr 2024 kritisierten mehrere Europaabgeordnete die FIFA für die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 an Saudi-Arabien.

In dem jüngsten Schreiben heißt es, diese Bedenken seien nicht angemessen berücksichtigt worden. Zudem wird auf den später abgeschlossenen Sponsoringvertrag der FIFA mit Aramco verwiesen.

Frühere Warnungen rücken erneut in den Fokus

NRK lenkt außerdem erneut die Aufmerksamkeit auf Miguel Maduro und Joseph Weiler, zwei frühere FIFA-Kontrollfunktionäre, die nach der Korruptionskrise vor Infantinos Amtsantritt an den Reformbemühungen beteiligt waren.

Beide haben argumentiert, dass das interne System der FIFA Reformen erschwere, weil die Macht an der Spitze konzentriert sei und unabhängige Kontrollmechanismen von innen heraus geschwächt werden könnten.

Weiler sagte:

„Ohne Druck von außen wird nichts passieren. Die EU hat die Macht und die Zuständigkeit, etwas dagegen zu unternehmen, doch sie tut nichts. Das enttäuscht mich sehr.“

Der Streit hat zudem unterschiedliche Positionen unter nordischen Fußballfunktionären offengelegt. Die norwegische Fußballpräsidentin Lise Klaveness hat den Friedenspreis kritisiert, während der dänische Fußballpräsident Jesper Møller die Auffassung vertritt, dass Fußballfunktionäre keine Stellung zu außenpolitischen Fragen beziehen sollten.

Fuglsang wies dieses Argument zurück und erklärte, die Angelegenheit sei bereits von der FIFA-Führung selbst politisiert worden:

„Wenn er nicht politisch sein will, dann habe ich schlechte Nachrichten für ihn – denn das ist er bereits.“

Fuglsang schließt künftige europäische Vorschriften zu Menschenrechten oder Antikorruptionsstandards nicht aus, falls die Institutionen des Fußballs nicht selbst reagieren. Vorerst lautet die zentrale Frage, ob die Ethikkommission der FIFA ein formelles Untersuchungsverfahren einleiten wird.

Die FIFA reagierte nicht auf die Bitte von NRK um eine Stellungnahme.

Quellen: NRK