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Der Niedergang von YouTube? „KI-Slop“ macht jedes fünfte Video aus

Der Niedergang von YouTube? „KI-Slop“ macht jedes fünfte Video aus
Mijansk786/shutterstock.com

Seit Jahren wird YouTubes Empfehlungssystem dafür kritisiert, Empörung, Übertreibung und Wiederholung zu belohnen.

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Seit Jahren wird YouTubes Empfehlungssystem dafür kritisiert, Empörung, Übertreibung und Wiederholung zu belohnen. Neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass der Algorithmus möglicherweise auf etwas noch Zersetzenderes optimiert: riesige Mengen minderwertiger, KI-generierter Videos.

Laut einer neuen Analyse der Videoplattform Kapwing besteht mehr als jedes fünfte Video, das neuen YouTube-Nutzern angezeigt wird, aus sogenanntem KI-Slop, während ein weiteres Drittel als „Brainrot“ eingestuft wird. Zusammengenommen bedeutet dies, dass mehr als die Hälfte eines komplett neuen YouTube-Shorts-Feeds aus Inhalten bestehen kann, die primär darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu binden – und nicht zu informieren, zu unterhalten oder kreativen Mehrwert zu liefern.

Was neue Nutzer tatsächlich sehen

Um das Ausmaß des Problems zu erfassen, erstellte Kapwing ein neues YouTube-Konto ohne Sehverlauf und analysierte die ersten 500 Shorts, die angezeigt wurden. Davon wurden 104 Videos als KI-Slop identifiziert, während 165 in die breitere Kategorie Brainrot fielen. Weniger als die Hälfte galt als vergleichsweise natürliches, von Menschen erstelltes Material.

Das ist relevant, weil frühe Eindrücke überproportional beeinflussen, wie Nutzer mit Plattformen interagieren. Wird YouTube anfangs von automatisierten, repetitiven Videos dominiert, verstärkt sich diese Umgebung selbst und prägt sowohl die Erwartungen der Zuschauer als auch die Anreize für Creator.

Was als „KI-Slop“ gilt

Kapwing definiert KI-Slop als automatisch erzeugte Low-Effort-Videos, die in großem Maßstab verbreitet werden, um Aufrufe, Abonnenten oder Einfluss zu generieren. Diese Inhalte nutzen typischerweise synthetische Sprecherstimmen, wiederverwendete visuelle Vorlagen, überzeichnete Szenarien und ein sensationsgetriebenes Tempo. Brainrot überschneidet sich stark damit, zielt jedoch noch stärker auf zwanghaftes Weiterschauen ab, oft ohne kohärente Erzählstruktur.

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Im Gegensatz zu klassischem Spam wirken diese Videos auf den ersten Blick oft hochwertig, was es Zuschauern erschwert, sich bewusst davon zu lösen.

Algorithmus oder Überangebot?

Ob YouTubes Algorithmus dieses Material aktiv fördert oder lediglich auf dessen schiere Masse reagiert, ist unklar. Klar ist jedoch, dass KI die Kosten der Videoproduktion nahezu auf null gesenkt hat, wodurch Slop direkt mit menschlich erstellten Inhalten um Aufmerksamkeit konkurriert.

Das Ergebnis ist eine Plattform, die zunehmend von Automatisierung geprägt ist. YouTube steht damit vor einer entscheidenden Frage: Soll das Unternehmen algorithmisch erfolgreiche Inhalte neutral behandeln – oder eingreifen, um die Voraussetzungen für sinnvolles kreatives Schaffen zu erhalten?

Quellen: Kapwing AI Slop Report; Analyse von YouTube Shorts; The Guardian

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