Startseite KI KI-gestütztes Porträt stellt die üblichen Darstellungen von Jesus infrage

KI-gestütztes Porträt stellt die üblichen Darstellungen von Jesus infrage

Jesus
Andreas Wahra, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Eine digitale Rekonstruktion hat Aufmerksamkeit erregt, weil sie eine andere Art religiösen Porträts bietet. Sie zeigt eine berühmte Figur durch Software, Kunstgeschichte und menschliche Interpretation statt allein durch kirchliche Tradition.

Der niederländische Künstler Bas Uterwijk veröffentlichte 2020 ein KI-gestütztes Porträt von Jesus Christus als Teil seiner umfassenderen Arbeit an historischen Gesichtern.

Uterwijk, der Erfahrung mit Spezialeffekten und Computergrafik hat, hat laut WP Tech auch visuelle Rekonstruktionen von Persönlichkeiten wie Julius Caesar, Seneca, Elisabeth I., Napoleon, Rembrandt und Tutanchamun erstellt.

Das Jesusbild folgt nicht dem hellhäutigen, europäischen Erscheinungsbild, das in weiten Teilen der westlichen religiösen Kunst am häufigsten vorkommt. Stattdessen zeigt es eine Figur mit Merkmalen, die eher zum Judäa des ersten Jahrhunderts passen.

Wie das Bild entstand

Laut WP Tech nutzte Uterwijk Artbreeder, ein Programm auf Basis neuronaler Netzwerke, das mit großen Mengen menschlicher Gesichter trainiert wurde.

My Charisma zitierte Uterwijk mit den Worten: „Die Anwendung [der künstlichen Intelligenz] ermöglicht es, mehrere Gesichtsquellen zu kombinieren und in einer synthetisierten Version zusammenzuführen, die von den künstlerischen Entscheidungen des Nutzers geleitet wird. Ich nutze sie, um historische und fiktive Figuren zu erschaffen.“

WP Tech zitierte außerdem Uterwijks Erklärung, dass er Haare und Bart angepasst habe, damit sie besser zu Zeit und Ort passen.

„Ich habe Haare und Bart in eine glaubwürdigere Länge und einen glaubwürdigeren Stil für die jeweilige Zeit und Region verändert“, sagte er.

Jenseits der Tradition

Viele europäische Darstellungen von Jesus wurden vorherrschend, weil sich die christliche Kunst über Jahrhunderte hinweg durch römische, byzantinische und Renaissance-Traditionen entwickelte, in denen Künstler häufig die Gesichter und Ideale ihrer eigenen Gesellschaften widerspiegelten.

Klicken Sie hier, um externe Inhalte von instagram anzuzeigen,
- Sie können Drittanbieter-Inhalte jederzeit aktivieren oder deaktivieren.
Sie stimmen zu, externe Inhalte von Drittanbietern anzuzeigen. Es ist möglich, dass personenbezogene Daten an den Anbieter der Inhalte und andere Drittanbieter-Dienste übermittelt werden.

Medium schreibt, dass die Bibel keine detaillierte körperliche Beschreibung Jesu liefert, wodurch spätere Künstler sein Aussehen frei interpretieren konnten.

Uterwijk griff auf ältere religiöse Bildtraditionen zurück, darunter byzantinische und Renaissance-Quellen, versuchte jedoch, eine rein europäische Interpretation zu vermeiden.

WP Tech verglich Uterwijks KI-basierte Methode mit der Arbeit des schwedischen Bildhauers und Archäologen Oscar Nilsson, der bei Gesichtsrekonstruktionen 3D-Druck, Anatomie, Archäologie und DNA-Forschung einsetzt.

Nilsson rekonstruierte unter anderem eine 1.200 Jahre alte peruanische Adlige, einen 9.000 Jahre alten griechischen Jugendlichen und die weibliche „Vampirin“ aus Pień.

Uterwijks Bild ist kein Beweis dafür, wie Jesus tatsächlich aussah. Es lässt sich eher als visuelles Experiment verstehen, das zeigt, wie alte religiöse Bildtraditionen mithilfe neuer digitaler Werkzeuge neu betrachtet werden können.

Quellen: WP Tech, Medium, My Charisma; Instagram-Beiträge von Bas Uterwijk.