Startseite Welt Neuer Bericht: Seltener Frosch-Giftstoff in Nawalnys Körper nachgewiesen

Neuer Bericht: Seltener Frosch-Giftstoff in Nawalnys Körper nachgewiesen

Alexei Navalny
Photo: Jonas Petrovas / Shutterstock.com

Zwei Jahre nach seinem Tod sorgen neue Laborergebnisse im Fall Alexej Nawalny für internationale Aufmerksamkeit.

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Zwei Jahre nach dem Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny rückt eine bislang kaum bekannte Substanz in den Mittelpunkt internationaler Ermittlungen.

Europäische Experten sprechen von einem hochtoxischen Stoff, der üblicherweise in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen vorkommt.

Wissenschaftliche Befunde

Nach Angaben des britischen Außenministeriums wurde in Proben aus Nawalnys Körper Epibatidin identifiziert. Die Substanz ist ein extrem stark wirkendes Nervengift, das natürlicherweise bei Ecuadorianischen Pfeilgiftfröschen vorkommt.

Die Untersuchungen seien in Zusammenarbeit mit Laboren aus Schweden, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden durchgeführt worden. London teilte mit, die Ergebnisse seien der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) übermittelt worden.

Es gebe keine plausible natürliche Erklärung für das Auftreten der Substanz in Russland.

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Politische Dimension

Die britische Regierung macht Moskau direkt verantwortlich. Außenministerin Yvette Cooper erklärte: „Nur die russische Regierung hatte die Mittel, das Motiv und die Gelegenheit, dieses tödliche Gift während seiner Inhaftierung in Russland gegen Alexej Nawalny einzusetzen.“

Großbritannien sieht darin einen möglichen Verstoß gegen die Chemiewaffen-Konvention, das internationale Abkommen zum Verbot Entwicklung, Lagerung und Einsatzes chemischer Waffen.

Auch aus Deutschland kamen deutliche Worte. Laut dem schwedischen Sender SVT sagte Außenminister Johann Wadephul: „Epibatidin ist ein Gift, das 200-mal stärker ist als Morphin. Es lähmt die Atmung und die Muskeln. Die Opfer ersticken qualvoll.“

Frühere Vergiftungen

Nawalny war bereits 2020 mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden. Damals überlebte er nach einer Behandlung in Deutschland. Westliche Regierungen machten auch in diesem Fall russische Stellen verantwortlich, was der Kreml bestritt.

Nach seiner Rückkehr nach Russland wurde Nawalny inhaftiert. Am 16. Februar 2024 starb er in einem Straflager in Sibirien. Russische Behörden nannten zunächst natürliche Ursachen.

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Seine Witwe Julija Nawalnaja sagte laut SVT zu den neuen Erkenntnissen: „Es sind nicht länger nur Worte. Es ist wissenschaftliche Tatsache.“

Moskaus Reaktion

Das russische Außenministerium weist die Vorwürfe zurück. Die Sprecherin Maria Sacharowa bezeichnete die Untersuchung laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass als westliche Propaganda, wie SVT berichtet.

Die nun vorgelegten Laborergebnisse dürften dennoch internationale Debatten über Sanktionen und die Einhaltung globaler Abrüstungsabkommen neu anfachen.

Quellen: Britisches Außenministerium, SVT

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