Neue Hinweise rücken die Zukunft der Führung in Nordkorea in den Fokus.
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In Pjöngjang verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche Weichenstellung für die Zukunft des Regimes. Im Zentrum steht eine Teenagerin, die immer häufiger an der Seite des Machthabers erscheint.
Südkoreanische Geheimdienstkreise sehen Anzeichen dafür, dass die Nachfolgefrage früher geklärt werden könnte als bislang angenommen.
Dynastisches Prinzip
Seit der Staatsgründung 1948 wurde Nordkorea ausschließlich von Männern aus der Kim-Familie geführt. Auf Staatsgründer Kim Il Sung folgte dessen Sohn Kim Jong Il, später übernahm Kim Jong Un die Macht.
Gerade dieser historische Kontext verleiht aktuellen Entwicklungen besonderes Gewicht. Sollte erstmals eine Tochter offiziell als Erbin aufgebaut werden, wäre das ein Bruch mit der bisherigen Tradition.
Kim Jong Un selbst wurde 2010 im Alter von nur 26 Jahren offiziell zum Nachfolger bestimmt, nachdem sein Vater einen Schlaganfall erlitten hatte. Nach dessen Tod 2011 übernahm er vergleichsweise abrupt die Führung.
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Neue Einschätzung
Wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, informierte Südkoreas Geheimdienst NIS Abgeordnete in einer nicht öffentlichen Sitzung darüber, dass Kim Jong Uns Tochter sich offenbar im Stadium einer designierten Nachfolge befinde.
Der Parlamentarier Lee Seong Kweun sagte laut AP: „In der Vergangenheit hat (der NIS) Kim Ju Ae als in einer Phase des ‚Nachfolgertrainings‘ befindlich beschrieben. Bemerkenswert ist heute, dass sie den Begriff ‚Stadium einer designierten Nachfolge‘ verwendet haben – eine Verschiebung, die ziemlich bedeutend ist.“
Die Behörde beobachte insbesondere, ob die Jugendliche beim bevorstehenden Parteikongress der Arbeiterpartei eine hervorgehobene Rolle einnehmen werde. Das Treffen gilt als zentrale Plattform für strategische Grundsatzentscheidungen.
Symbolische Signale
Wie AP berichtet, ist die mutmaßlich rund 13-Jährige seit Ende 2022 zunehmend öffentlich in Erscheinung getreten. Erstmals erschien sie bei einem Raketentest, später bei Militärparaden, Industrieprojekten und sogar bei einem China-Besuch ihres Vaters.
Aufsehen erregte ihr Besuch des Kumsusan-Palastes zu Jahresbeginn, wo die einbalsamierten Körper ihres Groß- und Urgroßvaters aufgebahrt sind. Experten werteten dies laut AP als starkes symbolisches Signal im Vorfeld des Parteikongresses.
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Nordkoreanische Staatsmedien nennen keinen Namen und sprechen lediglich von der „verehrten“ oder „innig geliebten“ Tochter. Die Annahme, sie heiße Kim Ju Ae, geht auf frühere Aussagen des ehemaligen Basketballprofis Dennis Rodman zurück, der nach einem Besuch in Pjöngjang 2013 erklärte, er habe Kim Jong Uns Babytochter dieses Namens im Arm gehalten.“
Offene Fragen
Unklar bleibt, ob der Parteikongress formale Schritte enthalten wird. Einige Analysten halten eine offizielle Parteifunktion angesichts ihres Alters für unwahrscheinlich, da interne Regeln ein Mindestalter vorsehen.
Falls Kim Jong Un den Parteikongress zur Absicherung der Nachfolge einsetzen sollte, wären entsprechende Hinweise wohl eher zurückhaltend formuliert, erklärte Koh Yu-hwan, früherer Präsident des südkoreanischen Institute of National Unification, wie AP berichtet.
Ob es tatsächlich zu einer offiziellen Festlegung kommt, bleibt also offen. Doch schon die wachsende Sichtbarkeit der Tochter zeigt, dass Pjöngjang die nächste Generation der Macht zumindest öffentlich ins Spiel bringt.
Quelle: AP