Früherer EU-Ratspräsident attackiert Nato-Chef Rutte scharf.
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Die Debatte über Europas sicherheitspolitische Rolle gewinnt an Schärfe. Zwischen dem Krieg in der Ukraine, Spannungen mit Washington und internen Fragen der Bündnisführung wächst der Druck auf westliche Institutionen.
Ein Interview mit dem früheren Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, sorgt nun für neue Akzente in dieser Diskussion.
Michel, hat sich gegenüber Euronews ausführlich zur strategischen Lage Europas geäußert und dabei deutliche Worte gefunden.
Ukraine als Signal
Im Mittelpunkt von Michels Aussagen stand die Ukraine. Er kritisierte, dass Europa bei möglichen Friedensgesprächen bislang nicht ausreichend vertreten sei, und bezeichnete diese Situation als „sehr traurig“ und „etwas schockierend“.
Mit Blick auf den angestrebten EU-Beitritt der Ukraine bis 2027 erklärte Michel, dieses Ziel sei realistisch. Er befürwortete eine möglichst schnelle Integration des Landes in die Europäische Union.
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Europas Rolle
Michel ordnete diese Fragen in einen größeren Kontext ein. Angesichts globaler Machtverschiebungen müsse Europa lernen, seine Interessen klarer zu vertreten. Weder Washington noch Moskau könnten diese Rolle übernehmen.
In diesem Zusammenhang brachte er auch seinen Nachfolger António Costa ins Spiel, dem er die politische Legitimität zuschrieb, im Namen aller 27 EU-Staaten aufzutreten, sollte es zu neuen Verhandlungsformaten kommen.
Zweifel an Rutte
Michel wandte sich auch im Interview mit Euronews der Nato selbst zu. Er äußerte offen, dass ihn die Führung des Bündnisses derzeit nicht überzeuge. Besonders Nato-Generalsekretär Mark Rutte habe es bislang nicht geschafft, die notwendige Geschlossenheit zu organisieren.
„Ich will es klar sagen: Mark Rutte ist eine Enttäuschung, und mein Vertrauen schwindet“, sagte Michel. Er erwarte von der Nato-Spitze eine eigenständige Linie, die die Interessen aller Mitglieder zusammenhalte.
Umgang mit den USA
Michel kritisierte auch Ruttes Umgang mit US-Präsident Donald Trump und erklärte, er erwarte von ihm nicht, als „amerikanischer Agent“ aufzutreten, sondern für die Einheit der Nato zu arbeiten.
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Besonders deutlich wurde seine Kritik im Zusammenhang mit Grönland. Michel bezeichnete die Vorgänge rund um die Insel als inakzeptabel.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos führte Rutte ein Gespräch mit Trump über Grönland. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betonte anschließend, Rutte habe kein Mandat, mit Trump über Grönland zu verhandeln, wie der Sender DR berichtete.
Quelle: DR, Euronews