Startseite Welt Zwillingsgeburt im Nationalpark, während in der Nähe Krieg herrscht

Zwillingsgeburt im Nationalpark, während in der Nähe Krieg herrscht

Rwanda, DR Congo, Africa, map
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Der Schutz von Wildtieren gilt als Erfolg internationaler Zusammenarbeit. In Regionen, die von Armut und Gewalt geprägt sind, führt er jedoch immer wieder zu Spannungen. Eine ungewöhnliche Geburt im Osten der Demokratischen Republik Kongo verdeutlicht dieses Dilemma erneut.

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Der Virunga-Nationalpark steht seit Jahren exemplarisch für den Konflikt zwischen Artenschutz und menschlichen Lebensrealitäten. Millionen Menschen leben rund um das Schutzgebiet in prekären Verhältnissen, während der Park mit internationaler Hilfe stark gesichert wird. Menschenrechtsgruppen werfen der Verwaltung vor, soziale Folgen zu ignorieren.

Vor diesem Hintergrund sorgt eine Nachricht aus dem Park weltweit für Aufmerksamkeit. Wie n-tv unter Berufung auf Angaben des Virunga-Nationalparks berichtet, brachte ein weiblicher Berggorilla dort Zwillinge zur Welt.

Ein seltenes Ereignis

Die Geburt gilt unter Fachleuten als außergewöhnlich. Nach Angaben der Parkverwaltung kommen Zwillingsgeburten bei Berggorillas nur sehr selten vor. Entsprechend hoch ist die symbolische Bedeutung des Nachwuchses für den Schutz der Art, deren Bestand sich in den vergangenen Jahren langsam erholt hat.

Die Jungtiere seien bei ihrer Entdeckung unauffällig gewesen, teilte der Park mit. Als Reaktion kündigte die Verwaltung an, die Überwachung der betroffenen Gorilla-Familie zu intensivieren.

Belastung für die Mutter

Für die Gorillamutter selbst ist die Situation riskant. Laura Parker, Sprecherin des Virunga-Nationalparks, erklärte, wie n-tv berichtet, dass die gleichzeitige Versorgung zweier Jungtiere eine erhebliche körperliche Belastung darstelle. Der Energiebedarf sei hoch, ebenso der Druck auf den Stoffwechsel.

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Zudem müssten Jungtiere in den ersten Lebensmonaten permanent getragen werden. In einem weitläufigen Lebensraum wie dem Virunga-Gebiet stelle dies eine zusätzliche Herausforderung dar.

Konfliktregion Virunga

Der Park liegt in einer seit Jahrzehnten umkämpften Region nahe den Grenzen zu Ruanda und Uganda. Bewaffnete Gruppen operieren dort regelmäßig. In der Vergangenheit drangen Milizen in den Park ein und töteten mehrere Gorillas.

Internationale Investitionen, insbesondere aus der EU, trugen später zu einer besseren Sicherung bei.

Diese Maßnahmen führten dazu, dass der globale Schutzstatus der Berggorillas 2018 herabgestuft wurde. Heute leben rund 1000 Berggorillas in den Schutzgebieten der Region.

Kritik bleibt bestehen

Trotz dieser Erfolge wächst der Unmut in der Bevölkerung. Der kongolesische Menschenrechtsanwalt Natalus Makuta von der Organisation CREDDHO sagte, wie n-tv berichtet: „Die Tiere im Kongo sind besser geschützt als wir Menschen.“ Er kritisiert harte Einsätze gegen Dorfbewohner im Umfeld des Parks.

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Die Zwillingsgeburt steht damit nicht nur für Hoffnung im Artenschutz, sondern auch für ein ungelöstes Grundproblem: Naturschutz in Konfliktzonen bleibt politisch und sozial hoch umstritten.

Quelle: n-tv