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Wenn Größe zur Gefahr wird: Die UBS und Europas offenes Bankenproblem

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Große Banken gelten als Stabilitätsanker des Finanzsystems. Doch ihre schiere Dimension kann selbst zum Risiko werden, wenn politische, wirtschaftliche und regulatorische Grenzen nicht mehr zusammenpassen. In Europa zeigt sich dieses Spannungsfeld derzeit besonders deutlich an einem Institut.

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Mit der Integration der Credit Suisse ist die UBS zu einer Bank geworden, deren globale Reichweite mit klassischen nationalen Sicherungsmechanismen kollidiert. Ihre Geschäfte sind international verzahnt, ihre Risiken nicht mehr eindeutig einem Land zuzuordnen.

Nach Angaben von Reuters entspricht die Bilanzsumme der UBS etwa dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz, wie Focus-Online berichtet. In der EU wären Institute dieser Größenordnung Teil einer Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und Abwicklungsregeln. Die Schweiz steht außerhalb dieses Rahmens.

Der Ökonom Cédric Tille brachte diese Schieflage auf den Punkt, als er sagte: „Die UBS ist zu groß geworden, um sie retten zu können.“

Politische Warnzeichen

Auch innerhalb der Schweizer Politik wächst das Unbehagen. Der frühere Finanzminister Ueli Maurer erklärte, wie Focus-Online berichtet: „Wer sich die Bilanz allein anschaut und die UBS mit der Schweizer Wirtschaft vergleicht, stellt fest, dass die Bank zu groß ist.“

Die Finanzaufsicht FINMA verweist in ihrer Aufarbeitung der Credit-Suisse-Krise darauf, dass staatliche Hilfe notwendig wurde, weil das Institut unter die Too-big-to-fail-Regeln fiel. Diese Erfahrung prägt nun die Diskussion um die UBS.

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Blick über die Grenzen

Internationale Gremien betrachten die Lage nüchtern. Das Financial Stability Board stuft die UBS gemessen an der heimischen Wirtschaft als „die weltweit am stärksten überdimensionierte Bank“ ein und warnt vor Folgen für das globale Finanzsystem.

Anders als große Banken im Euroraum fehlt im Schweizer Fall ein supranationaler Abwicklungsmechanismus. Damit würde ein Krisenfall zwangsläufig internationale Partner betreffen, unabhängig von formalen Zuständigkeiten.

Politisches Geld

Wie schnell politische Entwicklungen zu operativen Risiken werden können, zeigt ein aktueller Vorgang. Wie Focus-Online berichtet, habe die USB laut der Finanzblog Inside Paradeplatz vermögende Kunden aus dem Umfeld des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro zum Abzug ihrer Gelder gedrängt, um möglichen US-Sanktionen zuvorzukommen.

Der Schweizer Staat fror nach offiziellen Angaben Vermögenswerte Maduros und weiterer Personen ein. Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie Sanktionen und geopolitische Konflikte das Geschäft internationaler Vermögensverwalter belasten können.

Offene Rechnung

UBS-Chef Sergio Ermotti sagt: „Ich glaube nicht, dass wir zu groß für die Schweiz sind.“ Doch die Debatte zeigt, dass Größe allein keine Garantie für Stabilität ist.

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Am Ende steht eine unbequeme Erkenntnis: Wenn Risiken global sind, lassen sie sich nicht national lösen.

Quelle: Focus-Online, FINMA, Financial Stability Board, Inside Paradeplatz, Reuters