Wissenschaftler sind sich weiterhin uneinig darüber, wie Himmelskörper im Sonnensystem klassifiziert werden sollten. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob physikalische Eigenschaften oder das Verhalten auf der Umlaufbahn stärker gewichtet werden sollten.
Zwei Jahrzehnte nachdem Pluto als Zwergplanet neu eingestuft wurde, herrscht unter Wissenschaftlern weiterhin Uneinigkeit über jene Definition, durch die er von der traditionellen Liste der Planeten des Sonnensystems gestrichen wurde.
Der Streit dreht sich darum, was bei der Definition eines Planeten am wichtigsten sein sollte. Einige Wissenschaftler konzentrieren sich auf die physikalischen Eigenschaften eines Objekts, während andere seiner Umlaufbahn und dem Raum in seiner Umgebung größere Bedeutung beimessen.
Philip Metzger, Direktor des Stephen W Hawking Centre for Microgravity Research and Education an der University of Central Florida, lehnt die Definition der Internationalen Astronomischen Union (IAU) ab. Gegenüber The Guardian sagte er: „Die Definition eines Planeten, die sie geschaffen haben, ist überhaupt nicht anwendbar.“
Besonders deutlich wurde diese Meinungsverschiedenheit, nachdem die NASA-Raumsonde New Horizons im Jahr 2015 an Pluto vorbeigeflogen war. Ihre Beobachtungen zeigten Berge, Eisformationen und Hinweise auf vergleichsweise junge geologische Aktivität. Dies stärkte das Argument, dass Pluto trotz seiner offiziellen Klassifizierung einer komplexen planetaren Welt ähnelt.
Eris zwang zu einer Entscheidung
Fragen über Plutos Platz im Sonnensystem wurden bereits vor 2006 diskutiert, doch die Entdeckung von Eris machte es für Astronomen deutlich schwieriger, das Problem zu ignorieren. Das weit entfernte Objekt war Pluto so ähnlich, dass die Wissenschaftler vor einer grundlegenden Entscheidung standen: Entweder musste die Zahl der anerkannten Planeten erhöht oder die Grenze dieser Kategorie klarer gezogen werden.
Wie Pluto befindet sich auch Eris im Kuipergürtel jenseits des Neptun. Die Entdeckung fiel zudem in eine Zeit, in der Astronomen weitere größere Objekte in derselben weit entfernten Region identifizierten. Wenn Pluto weiterhin als Planet gelten sollte, sprach zunehmend dafür, dass auch Eris und möglicherweise mehrere andere Himmelskörper dieselbe Bezeichnung verdienen könnten.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) reagierte darauf, indem sie 2006 eine formelle Definition verabschiedete. Nach ihren Kriterien muss ein Planet die Sonne umkreisen, über genügend Masse verfügen, um eine annähernd runde Form anzunehmen, und die Umgebung seiner Umlaufbahn dominieren. Pluto erfüllte die ersten beiden Bedingungen, nicht jedoch die dritte.
Gerade diese letzte Anforderung gehört bis heute zu den umstrittensten Bestandteilen der Entscheidung. Kritiker argumentieren, dass die Klassifizierung eines Objekts dadurch teilweise davon abhängen kann, welche Umlaufbahn es einnimmt, anstatt ausschließlich davon, was für ein Objekt es ist.
Laurel Kornfeld, Autorin und Amateurastronomin, die sich dafür einsetzt, Pluto den Planetenstatus zurückzugeben, sagte gegenüber The Guardian: „Einer der größten Mängel der IAU-Definition besteht darin, dass sich dasselbe Objekt auf zwei verschiedenen Umlaufbahnen befinden kann.“
Das Problem mit den Monden
Eine weiter gefasste geophysikalische Definition eines Planeten hätte Folgen, die weit über Pluto hinausgehen würden. Würden Wissenschaftler Himmelskörper hauptsächlich anhand ihrer Form, Geologie und inneren Komplexität klassifizieren, könnten auch einige große Monde dieselben grundlegenden Kriterien erfüllen.
Diese Möglichkeit gehört zu den wichtigsten Einwänden des Astronomen Mike Brown, dessen Team Eris entdeckte. Brown argumentiert, dass der Verzicht auf den Umlaufstatus als Bestandteil der Definition die seit Langem bestehende Unterscheidung zwischen Planeten und natürlichen Satelliten verwischen würde, einschließlich des Erdmondes.
Der Planetenforscher Paul Byrne vertritt eine andere Auffassung. Er argumentiert, dass sich diese Kategorien nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen müssten. Ein Objekt könnte demnach sowohl als Mond als auch als Planet gelten, je nachdem, welche seiner Eigenschaften beschrieben werden.
Aus diesem Grund hat sich die Debatte als so schwer beizulegen erwiesen. Im Kern geht es um die Frage, wo Wissenschaftler die Grenze zwischen verschiedenen Arten von Welten im Sonnensystem ziehen und welche Eigenschaften dabei am stärksten ins Gewicht fallen sollten.
Zwanzig Jahre nach der Abstimmung der IAU hat keine alternative Definition breite Zustimmung gefunden. Pluto wird weiterhin offiziell als Zwergplanet eingestuft, während die wissenschaftliche Debatte darüber, was als Planet gelten sollte, ohne einen klaren Weg zu einer weiteren formellen Abstimmung anhält.
Quellen: The Guardian