Startseite Unterhaltung Filmgiganten strömen nach Malta, während das Filmgeschäft boomt

Filmgiganten strömen nach Malta, während das Filmgeschäft boomt

Valletta Malta movie camera
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Eine wachsende Produktionsbranche hat dem Mittelmeerland internationale Investitionen und ganzjährige Beschäftigung gebracht. Der Erfolg wirft zugleich schwierigere Fragen über öffentliche Förderanreize, lokale Fachkräfte und den Druck auf, der durch kontinuierliche Dreharbeiten entsteht.

Eine Rückvergütung von bis zu 40 Prozent ist zu einem der wirkungsvollsten Instrumente Maltas geworden, um große Film- und Fernsehproduktionen auf die Inseln zu holen.

Nach den offiziellen Richtlinien der Malta Film Commission beträgt die reguläre Rückvergütung für förderfähige Ausgaben qualifizierter Realfilmproduktionen 30 Prozent. Weitere bis zu zehn Prozentpunkte können gewährt werden, wenn Kriterien in Bezug auf maltesische kulturelle Elemente und eine stärkere Nutzung lokaler Ressourcen erfüllt werden.

Vor diesem Hintergrund berichtet The Guardian, dass Malta im Jahr 2025 Schauplatz von 36 großen Produktionen war und alle für eine Rückvergütung von 40 Prozent qualifiziert waren. In jedem der vergangenen drei Jahre wurden dort mehr als 30 Film- und Fernsehprojekte realisiert.

Mit dieser Politik steht Malta in einem breiteren europäischen Wettbewerb um Produktionen, deren Budgets grenzüberschreitend verlagert werden können. Finanzielle Anreize spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Entscheidung darüber, wo Filme finanziert und gedreht werden.

Eine Studie des European Audiovisual Observatory aus dem Jahr 2026 ergab, dass Produktionsanreize 21 Prozent der Finanzierung europäischer fiktionaler Kinofilme ausmachten, die 2023 veröffentlicht wurden oder zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Zusammen mit direkten öffentlichen Fördermitteln belief sich der Anteil öffentlicher Unterstützung an der Finanzierung in der untersuchten Stichprobe auf 47 Prozent.

Die Anreize verändern die Produktionslandschaft

Das European Audiovisual Observatory erklärt, dass Steuergutschriften, Rückvergütungen und ähnliche Programme zu zentralen Instrumenten der audiovisuellen Politik geworden sind und Investitionen, Beschäftigung, Infrastruktur sowie den Wettbewerb zwischen Produktionsstandorten beeinflussen.

Malta hat sich diesem Wettbewerb sowohl mit finanziellen Anreizen als auch mit etablierten Produktionsstätten gestellt. Die Verbindung des Landes zum internationalen Filmschaffen reicht bis in die Stummfilmzeit zurück, während spezielle Wassertanks die Inseln später besonders attraktiv für maritime Produktionen gemacht haben.

Maltas Geschichte als internationaler Drehort reicht bis ins Jahr 1925 zurück, als der britische Stummfilm Sons of the Sea die erste bekannte Spielfilmproduktion wurde, die auf den Inseln gedreht wurde – Jahrzehnte bevor sich eine einheimische maltesische Filmindustrie zu entwickeln begann.

Filmkommissar Johann Grech sagt, die Branche habe sich seit der Zeit, als Produktionsarbeit weitgehend saisonabhängig war, erheblich verändert. „Heute haben wir eine Branche, die jeden Tag und das ganze Jahr über arbeitet.“

Maltas Geografie bietet Location-Managern einen weiteren Grund, die Inseln in Betracht zu ziehen. Historische Straßen, mediterrane Architektur und Küstenlandschaften können genutzt werden, um sehr unterschiedliche Teile der Welt nachzubilden. Dadurch können Produktionen zwischen verschiedenen Schauplätzen wechseln, ohne dafür das Land wechseln zu müssen.

The Guardian berichtete, dass Malta in jüngerer Zeit unter anderem Griechenland, Sizilien, Südfrankreich und die Karibik dargestellt hat. Auch Großproduktionen wie Gladiator II und Jurassic World Rebirth wurden dort gedreht und verdeutlichen das Ausmaß der internationalen Projekte, die das Land inzwischen anziehen kann.

Zunehmend ist Malta auf der Leinwand auch als Malta selbst zu sehen. Der dritte Enola Holmes-Film nutzt die Insel als Teil seines Schauplatzes, während Stephen Poliakoffs geplante Fernsehproduktion The Order vor dem Hintergrund der Ereignisse spielt, die zur osmanischen Belagerung Maltas im Jahr 1565 führten.

Doch internationale Produktionen anzuziehen und eine starke einheimische Filmindustrie aufzubauen, sind nicht zwangsläufig dasselbe.

Lokale Filmschaffende erleben eine andere Realität

Internationale Produktionen sorgen für eine konstante Nachfrage nach maltesischen Filmteams, Technikern und Einrichtungen. Ihre größeren Budgets können jedoch auch die Löhne auf ein Niveau treiben, das kleinere einheimische Projekte nicht bezahlen können.

Der auf Malta lebende Drehbuchautor und ehemalige Filmkritiker Teodor Reljic beschrieb diese Kluft gegenüber The Guardian: „Es gibt gewissermaßen ein Paralleluniversum: Diejenigen, die Dienstleistungen für Produktionen anbieten, florieren, aber lokale Filmschaffende können sich keinen DOP [Kameramann] leisten, weil sie Honorare auf Jurassic-World-Niveau erwarten.“

Der Gegensatz fällt besonders angesichts der begrenzten einheimischen Filmproduktion Maltas auf. In den vergangenen Jahren hat das Land üblicherweise nur eine Handvoll Spielfilme pro Jahr produziert, während zugleich Dutzende internationale Film- und Fernsehprojekte Malta als Produktionsstandort genutzt haben.

Dieses Ungleichgewicht verdeutlicht eine umfassendere Herausforderung für kleinere europäische Filmindustrien. Ausländische Produktionen können Arbeitsplätze schaffen, technisches Know-how stärken und lokale Unternehmen unterstützen. Ein erfolgreicher Dienstleistungssektor führt jedoch nicht zwangsläufig zu mehr Möglichkeiten für einheimische Filmschaffende.

Die Auswirkungen des Booms sind auch außerhalb der Branche zu spüren. The Guardian zufolge gibt es Beschwerden über Straßensperrungen und Parkbeschränkungen, wenn maltesische Wohnviertel in Filmsets verwandelt werden. Ausrüstung im Zusammenhang mit einer Produktion in Valletta beschädigte kürzlich eine hundert Jahre alte Statue und einen historischen Sockel auf dem St George’s Square, was weitere Kritik auslöste.

Malta hat durch den Produktionsboom Arbeitsplätze, zusätzliche Ausgaben und internationale Aufmerksamkeit gewonnen. Doch der Druck auf lokale Budgets und Filmteams wirft eine schwierigere Frage auf: ob das Land ein bedeutender Drehstandort bleiben und zugleich maltesischen Filmschaffenden genügend Raum für ihre eigenen Projekte geben kann.

Quellen: The Guardian, European Audiovisual Observatory, Malta Film Commission