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Leichen in Eis- und Fleischtransportern: Neue Zweifel an Irans offiziellen Zahlen

Iran, demonstration
tolga ildun / Shutterstock.com

Seit den jüngsten Protesten im Iran ist eine zentrale Frage offen geblieben: Wie viele Menschen sind tatsächlich ums Leben gekommen? Während staatliche Stellen von einigen tausend Toten sprechen, zeichnen internationale Recherchen ein deutlich düsteres Bild.

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Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, stützen sich Zweifel an den offiziellen Angaben auf zahlreiche Berichte aus dem Inneren des Landes. Diese stammen vor allem von medizinischem und forensischem Personal, das anonym über die Vorgänge spricht.

Umkämpfte statistiken

Die iranische Führung hat mehr als 3.000 Todesfälle eingeräumt. Menschenrechtsorganisationen wie HRANA kommen laut dem Guardian bereits auf über 6.000 bestätigte Tote und prüfen eine deutlich höhere Dunkelziffer. Externe medizinische Schätzungen gehen sogar von bis zu 33 000 Todesopfern aus.

Mediziner, die ihre Beobachtungen teilten, gehen davon aus, dass nur ein kleiner Teil der Todesfälle offiziell registriert wurde. Interne Vergleiche mit üblichen Sterbe- und Krankenhausdaten hätten auf eine massive Untererfassung hingedeutet.

In autoritären Systemen sind solche Zahlen politisch brisant: Sie beeinflussen internationale Reaktionen, mögliche Sanktionen und spätere juristische Aufarbeitung.

Berichte aus Krankenhäusern

Mehrere voneinander unabhängige Zeugenaussagen beschreiben, dass viele Verletzte staatliche Krankenhäuser mieden. Die Angst vor Identifizierung und Verhaftung habe dazu geführt, dass Behandlungen im Verborgenen stattfanden.

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Dabei habe sich laut dem Guardian ein Muster gezeigt: Anfangs überwogen leichtere Verletzungen, später häuften sich Schuss- und Stichwunden aus nächster Nähe, oft mit tödlichem Ausgang.

Ein Arzt brachte die Lage so auf den Punkt: „Alle öffentlich genannten Zahlen stellen eine massive Unterschätzung dar.“

Forensische Auffälligkeiten

Auch aus Leichenhallen und von Friedhöfen wurden ungewöhnliche Zustände gemeldet. Mehrere Quellen berichteten von überfüllten Einrichtungen und einem raschen Abtransport von Leichen.

Dabei seien nach übereinstimmenden Aussagen Kühlfahrzeuge eingesetzt worden, die normalerweise für Eis oder Fleisch genutzt werden. Parallel habe es Druck gegeben, Bestattungen zu beschleunigen, wie der Guardian berichtet.

Besonders alarmierend seien Funde von Toten mit Kopfschussverletzungen gewesen, die noch medizinische Schläuche oder Katheter trugen. Ein Arzt erklärte: „Das ist hochgradig verdächtig.“

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Kontrolle über Erinnerung

Zusammengenommen deuten diese Hinweise auf ein koordiniertes Vorgehen hin. Es gehe nicht nur darum, Proteste zu beenden, sondern auch darum, Spuren zu kontrollieren.

Internetsperren, administrative Hürden und der Umgang mit Leichen erschwerten unabhängige Dokumentation. Viele Beteiligte fürchten, dass das volle Ausmaß der Gewalt nie offiziell anerkannt wird.

Quelle: The Guardian