Startseite Deutschland Polizei kämpft um geeigneten Nachwuchs – daran scheitern viele Bewerber

Polizei kämpft um geeigneten Nachwuchs – daran scheitern viele Bewerber

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Die Polizei sucht dringend Nachwuchs, doch nicht alle Interessierten erfüllen die formalen Anforderungen.

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Der Personaldruck bei der Polizei wächst. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Kräfte ausscheiden, doch der Nachschub bleibt hinter den Erwartungen zurück. In Berlin zeigt sich besonders deutlich, woran viele Bewerbungen scheitern.

Im Zentrum steht eine Fähigkeit, die im Polizeialltag unverzichtbar ist und bei vielen Bewerbenden nicht das geforderte Niveau erreicht.

Lücke im System

Bis 2030 wird rund ein Drittel der Berliner Polizistinnen und Polizisten in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig gelingt es der Polizeiakademie seit Jahren nicht, alle geplanten Ausbildungsplätze zu besetzen, berichtet der rbb.

2025 bewarben sich mehr als 6.300 Menschen für den mittleren Dienst der Schutzpolizei. Zugelassen wurden am Ende nur 457, obwohl 624 Einstellungen vorgesehen waren.

Hohes Durchfallen

Ein zentraler Filter im Auswahlverfahren sind die Deutschprüfungen. Bewerbende müssen unter anderem ein Diktat und einen Grammatiktest bestehen. Nach Angaben der Polizeiakademie scheitert daran ein erheblicher Teil.

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„40 Prozent aller Bewerbenden (…) fallen entweder durch das Diktat oder den Deutschtest oder verfehlen beide dieser Mindestanforderungen“, sagt Akademieleiterin Nancy Boy-Seifert laut rbb. Besonders Probleme bei Rechtschreibung, Zeichensetzung und Satzbau machten sich bemerkbar.

Warum Sprache zählt

Im Polizeiberuf geht es nicht nur um Einsatzstärke, sondern um präzise Kommunikation. Anzeigen, Protokolle und rechtssichere Texte gehören ebenso zum Alltag wie das Vermitteln von Anweisungen oder das Beruhigen von Konflikten.

Aus Sicht der Verantwortlichen wäre es riskant, sprachliche Anforderungen abzusenken. Leonhard Maier, Psychologe im Einstellungsverfahren, warnt laut rbb davor, Defizite in die Ausbildung zu verlagern. Dafür fehle die Zeit.

Hilfe vor der Bewerbung

Um unrealistische Erwartungen zu vermeiden, informiert die Berliner Polizei frühzeitig über soziale Medien. Dort werde klar gemacht, dass mangelnde Deutschkenntnisse ein Ausschlusskriterium seien, sagt Benjamin Brümmer vom Social Recruiting.

Zusätzlich stellt die Polizei Übungsmaterial online bereit. Mehr Unterstützung könne man jedoch nicht leisten, so Brümmer. Die Vorbereitung liege letztlich bei den Interessierten selbst.

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Erfolgreiche Vorbereitung

Ein freiwilliger Vorbereitungskurs in Kreuzberg zeigt laut Polizei deutliche Wirkung. Das Bildungswerk bietet dort Unterricht unter anderem in Deutsch und Recht an, finanziert durch den Berliner Senat.

Nach Angaben von Boy-Seifert schaffen rund 90 Prozent der Teilnehmenden im Anschluss den Sprung in die Ausbildung. Ohne diesen Kurs liege die Erfolgsquote deutlich niedriger.

Technik als Ausweg

Angesichts des Nachwuchsmangels setzt die Polizeiakademie auch Hoffnung auf Künstliche Intelligenz. Perspektivisch könnten Sprachaufnahmen automatisch verschriftlicht und geprüft werden.

Dadurch ließen sich im Auswahlverfahren andere Kompetenzen stärker gewichten, erklärt Boy-Seifert. Noch stehe die Integration von KI am Anfang, auch wenn Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel das Thema vorantreiben wolle.

Bis dahin bleibt die Sprache entscheidend. Sie sei, so Boy-Seifert, weiterhin das wichtigste Arbeitsmittel der Polizei.

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Quelle: rbb