Die Jahre scheinen immer schneller zu vergehen.
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Zeit vergeht objektiv gleich schnell. Doch subjektiv scheint sie sich zu beschleunigen.
Viele Menschen berichten, dass Jahre im Rückblick immer kürzer wirken. Forschende führen dieses Gefühl auf Prozesse im Gehirn zurück.
Nach Erkenntnissen der Gedächtnisforschung wird Zeit nicht wie ein kontinuierlicher Film gespeichert, sondern anhand markanter Ereignisse rekonstruiert. Je mehr unterscheidbare Erinnerungen vorhanden sind, desto länger erscheint ein Zeitraum im Nachhinein. Fehlen solche Marker, entsteht der Eindruck von Verdichtung.
Neurowissenschaftler verweisen dabei auf das episodische Gedächtnis. Es speichert persönliche Erlebnisse mitsamt Kontext und Emotionen.
Wiederholen sich Abläufe stark, sinkt die Zahl neuer Gedächtnisspuren – Tage ähneln sich stärker und verschwimmen rückblickend.
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Erlebnisse formen Dauer
Kinder sammeln täglich neue Eindrücke: unbekannte Situationen, Lernschritte, intensive Emotionen. Die hohe Reizdichte führt zu einer Vielzahl gespeicherter Erinnerungen.
Mit zunehmender Routine im Erwachsenenleben nimmt diese Vielfalt häufig ab. Arbeitsabläufe, Wege und Freizeitaktivitäten folgen festen Mustern.
Psychologen sprechen von einer geringeren Erlebnisdichte. Weniger neue Eindrücke bedeuten weniger klar unterscheidbare Gedächtnispunkte – und damit ein verkürztes Zeitempfinden im Rückblick.
Eine Perspektive aus der Forschung
Der Maschinenbau-Professor Adrian Bejan, zitiert von Smart Up News in einem bei Bunte.de erschienenen Beitrag, beschreibt es so: „Unser Gehirn merkt sich Veränderungen.“ Veränderungen seien entscheidend dafür, wie wir Dauer wahrnehmen.
Weiter erklärt er: „Im Erwachsenenalter bekommt unser Gehirn weniger neue Eindrücke. Deshalb empfinden wir die Zeit als schneller.“ Ein Jahr erscheine dann wie ein „leerer Film“.
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Und mit Blick auf erinnerungsreiche Phasen sagt er: „Wenn wir auf Zeiten voller neuer Erlebnisse zurückblicken, erscheint die Zeit gedehnt, weil es viele Erinnerungen gibt“.
Zeit als Konstruktion
Aus psychologischer Sicht entsteht das Gefühl beschleunigter Jahre also nicht durch die Uhr, sondern durch mentale Verarbeitung. Zeit wird im Nachhinein rekonstruiert – anhand dessen, was im Gedächtnis verankert bleibt.
Forschende gehen davon aus, dass neue Erfahrungen, Lernprozesse und bewusste Wahrnehmung die Zahl solcher Erinnerungsmarker erhöhen können. Damit beeinflussen Menschen indirekt, wie lang oder kurz ihnen ein Lebensabschnitt erscheint.
Das subjektive Tempo des Lebens ist somit kein festes Maß, sondern eine Folge kognitiver Prozesse – und bis zu einem gewissen Grad gestaltbar.
Quelle: Smart Up News