Nvidia hat ein weiteres Quartal mit außergewöhnlich starkem Wachstum vorgelegt, die Erwartungen der Wall Street übertroffen und für die kommenden Monate höhere Umsätze als erwartet prognostiziert.
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Dennoch blieben die Aktien des Chipentwicklers im nachbörslichen Handel weitgehend unverändert, da Investoren signalisierten, dass sie mehr als nur ein weiteres Übertreffen der Gewinnerwartungen sehen wollten. Die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse unterstreichen Nvidias zentrale Rolle im Boom der künstlichen Intelligenz und verdeutlichen zugleich die steigenden Erwartungen an der Wall Street, berichtet Reuters.
Übertreffen und Prognose
Für das im Januar abgeschlossene Quartal meldete Nvidia einen Umsatz von 68,13 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg um 94 % gegenüber dem Vorjahr und über den Analystenschätzungen von 66,21 Milliarden US-Dollar, wie aus LSEG-Daten hervorgeht. Der bereinigte Gewinn lag bei 1,62 US-Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen von 1,53 US-Dollar.
Mit Blick nach vorn prognostizierte das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt für das erste Geschäftsquartal einen Umsatz von rund 78 Milliarden US-Dollar, plus oder minus 2 %, und lag damit über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 72,60 Milliarden US-Dollar.
Das Unternehmen erklärte, der Ausblick spiegele die anhaltend hohen Ausgaben großer Technologieunternehmen für KI-Prozessoren und Rechenzentrumsinfrastruktur wider.
„Aus Nvidias jüngsten Zahlen und ihrer Prognose geht klar hervor, dass sich Bedenken über eine Abschwächung im KI-Bereich bislang nicht zeigen“, sagte Bob O’Donnell, Chefanalyst bei TECHnalysis Research.
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Fragen zum Bargeldbestand
Trotz der starken Zahlen bewegte sich die Nvidia-Aktie im erweiterten Handel kaum. Die verhaltene Reaktion folgt auf 14 aufeinanderfolgende Quartale mit übertroffenen Umsatzerwartungen, was die Hürde für weitere positive Überraschungen erhöht hat.
In der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen fragte UBS-Analyst Tim Arcuri, ob das Unternehmen plane, einen größeren Teil der voraussichtlich rund 100 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, die es in diesem Jahr generieren dürfte, an die Aktionäre zurückzugeben. Er merkte an: „Egal wie gut die Ergebnisse waren, die Aktie ist nicht wirklich stark gestiegen.“
Finanzchefin Colette Kress erklärte, Nvidia wolle vorrangig in das KI-Ökosystem reinvestieren. Vorstandsvorsitzender Jensen Huang ergänzte: „Diese neue Art des Computings wird nicht wieder verschwinden“ und betonte den Fokus des Unternehmens auf den Ausbau der Infrastruktur zur Unterstützung KI-gestützter Arbeitslasten.
Wettbewerbsdruck
Investoren beobachten zudem mögliche Risiken für Nvidias Vormachtstellung bei KI-Chips. Advanced Micro Devices bereitet ein neues KI-Serverprodukt vor und hat Verträge mit Großkunden, darunter Meta Platforms, abgeschlossen. Googles Mutterkonzern Alphabet bewirbt seine eigenen KI-Chips und hat Vereinbarungen mit dem KI-Entwickler Anthropic getroffen, während Berichten zufolge auch Lieferabsprachen mit Meta erörtert werden.
Gleichzeitig ist Nvidias Kundenkonzentration gestiegen. Zwei Kunden machten im jüngsten Geschäftsjahr 36 % des Umsatzes aus, verglichen mit zuvor drei Kunden, die 34 % ausmachten.
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Das Unternehmen erklärte, es habe sich ausreichende Liefermengen vom Fertigungspartner TSMC gesichert, um die Nachfrage in den kommenden Quartalen zu decken, wenngleich Engpässe das Gaming-Segment belasten dürften.
China und Vergütung
Nvidias jüngste Prognose schließt Einnahmen aus dem Verkauf von Rechenzentrumschips nach China aus, obwohl das Unternehmen angab, kürzlich US-Lizenzen erhalten zu haben, um „kleine Mengen“ von H200-Chips dorthin zu liefern. Exportkontrollen haben solche Verkäufe eingeschränkt.
Zudem kündigte das Unternehmen an, aktienbasierte Vergütungen künftig in seine Non-GAAP-Kennzahlen einzubeziehen, und bezeichnete dies als „grundlegenden Bestandteil“ der Bemühungen, KI-Talente zu gewinnen und zu halten.
Während Nvidia weiterhin außergewöhnliches Wachstum verzeichnet, richten Investoren ihren Blick zunehmend auf Kapitalrückführungen und Wettbewerbsdynamiken, da sich das Rennen um künstliche Intelligenz weiter verschärft.
Quellen: Reuters, LSEG