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Saudi-Arabiens größte Raffinerie nach Drohnenangriff stillgelegt: Rohölpreise steigen um fast 10 %

Oil Refinery Attacks/Russian
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Saudi-Arabien hat den Betrieb seiner Raffinerie Ras Tanura mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag nach einem Drohnenangriff ausgesetzt, der ein Feuer verursachte und die Rohölpreise um fast 10 Prozent steigen ließ. Der Vorfall verstärkt die Sorge vor einem umfassenderen Versorgungsengpass angesichts der eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran.

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Saudi-Arabien hat den Betrieb seiner größten Ölraffinerie eingestellt, nachdem ein Drohnenangriff im Komplex Ras Tanura ein Feuer ausgelöst hatte. Die Rohölpreise schnellten daraufhin um fast 10 Prozent in die Höhe und versetzten die globalen Energiemärkte in Unruhe, die bereits durch die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran belastet sind.

Der staatliche Ölkonzern Aramco setzte den Betrieb der Anlage mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag aus, nachdem nach offiziellen Angaben ein „begrenztes“ Feuer durch Trümmerteile entstanden war, die bei der Abwehr von zwei auf das Gelände gerichteten Drohnen herabgefallen waren. Das Feuer sei inzwischen unter Kontrolle, berichtete die Saudi Press Agency, doch der Betrieb bleibt ausgesetzt, während das Ausmaß der Schäden geprüft wird.

Die Stilllegung stellt eine der schwerwiegendsten Störungen der saudischen Energieinfrastruktur der vergangenen Jahre dar und ließ die Rohölpreise sofort deutlich ansteigen — Ausdruck der Sorge vor einer breiteren Instabilität am Golf.

Warum Ras Tanura von zentraler Bedeutung ist

Die Raffinerie Ras Tanura an der Küste des Persischen Golfs ist ein Eckpfeiler des saudischen Ölsystems. Sie verarbeitet rund 550.000 Barrel Rohöl pro Tag und liefert große Mengen Diesel an internationale Märkte, insbesondere nach Europa. Zudem produziert sie Benzin und andere raffinierte Kraftstoffe.

Neben der Raffinerie beherbergt Ras Tanura auch Aramcos größtes Exportterminal für Rohöl und Erdölprodukte, einschließlich umfangreicher Lagertanks und Offshore-Verladeanlagen. Eine längere Unterbrechung könnte die weltweite Kraftstoffversorgung belasten und die Schifffahrtslogistik erschweren.

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Der Angriff erfolgt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Die OPEC hatte gerade eine Produktionssteigerung um 206.000 Barrel pro Tag für April angekündigt und Saudi-Arabien damit als potenziellen Stabilisator bei Versorgungsengpässen positioniert. Stattdessen ist nun eine der wichtigsten Anlagen des Landes außer Betrieb.

Sorgen am Ölmarkt kehren zurück

Seit sich die Kämpfe zwischen den USA, Israel und dem Iran verschärft haben, beobachten Händler zwei zentrale Risiken.

Das erste ist eine mögliche Schließung der Straße von Hormus, einer schmalen Wasserstraße, durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs abgewickelt werden. Obwohl sie nicht offiziell geschlossen wurde, hat sich der Schiffsverkehr vorsorglich verlangsamt.

Die zweite Sorge betrifft direkte Angriffe auf Energieinfrastruktur rund um den Golf. Der Vorfall in Ras Tanura deutet darauf hin, dass dieses Risiko nicht länger nur theoretisch ist.

Analysten warnen, dass sich bei einer Ausweitung der Störungen — sei es durch weitere Angriffe auf Raffinerien oder durch Blockaden im Schiffsverkehr — die Ölpreise über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau halten könnten. Kurzzeitige Ausfälle könnten zu einem Rückgang führen, anhaltende Schäden würden Rohöl jedoch wahrscheinlich strukturell verteuern.

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Können Exporte Hormus umgehen?

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen nur begrenzte Möglichkeiten, die Straße von Hormus über alternative Pipelines zu umgehen.

Die saudische Ost-West-Pipeline kann rund 5 Millionen Barrel pro Tag zum Roten Meer transportieren, während die Habshan-Fudschaira-Pipeline der VAE etwa 1,8 Millionen Barrel pro Tag beisteuert. Zusammen ergibt das rund 6,8 Millionen Barrel täglich — deutlich weniger als die etwa 11 Millionen Barrel pro Tag, die beide Länder auf dem Seeweg exportieren.

Diese Lücke verdeutlicht, warum jede Störung am Golf globale Auswirkungen hat.

Ein politischer und strategischer Wendepunkt

Der Angriff könnte Saudi-Arabien zu einer konfrontativeren Haltung zwingen. Kronprinz Mohammed bin Salman hat in den vergangenen Jahren versucht, eine direkte Verwicklung in regionale Konflikte zu vermeiden und sich stattdessen auf wirtschaftliche Diversifizierung und innenpolitische Reformen zu konzentrieren.

Doch direkte Bedrohungen zentraler Ölinfrastruktur könnten eine rote Linie darstellen.

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Der Golf-Kooperationsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein, um Reaktionen auf das aus Sicht der Mitglieder eskalierende Vorgehen abzustimmen. Saudi-Arabien bestellte zudem den iranischen Gesandten ein und signalisiert damit wachsende Unzufriedenheit.

Das Huthi-Präzedenzfall

Saudische Ölanlagen waren bereits zuvor Ziel von Angriffen. 2019 legten Drohnen- und Raketenangriffe auf die Verarbeitungsanlagen in Abqaiq und Khurais vorübergehend einen großen Teil der saudischen Produktion lahm und lösten über Nacht einen starken Anstieg der Ölpreise aus.

2022 griffen vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen ein Aramco-Depot in Dschidda an.

Analysten warnen, dass ähnliche Stellvertreter- oder direkte Angriffe wieder aufgenommen werden könnten, insbesondere wenn die Spannungen weiter zunehmen. Gleichzeitig bleibt auch Irans eigene Ölexportinfrastruktur — insbesondere die Insel Kharg, über die der Großteil der Rohölexporte abgewickelt wird — verwundbar, was ein fragiles Abschreckungsgleichgewicht schafft.

Ein fragiler Moment für die globale Energieversorgung

Sollte sich die Störung in Ras Tanura als vorübergehend erweisen, könnten sich die Märkte stabilisieren. Weiten sich die Angriffe jedoch aus oder werden Schifffahrtsrouten unsicher, könnten die Folgen weit über die Region hinausreichen — mit Auswirkungen auf Kraftstoffpreise, Inflation und weltweites Wirtschaftswachstum.

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Vorerst beobachten Händler, Regierungen und Verbraucher genau, ob die Stilllegung der Raffinerie ein isolierter Vorfall bleibt — oder der Beginn einer breiteren Energiekrise ist.

Quellen: Saudi Press Agency; Stellungnahmen von Aramco; Berichterstattung von Bloomberg; UniCredit Research; Capital Economics; Analyse von Verisk Maplecroft; Kommentar von Generali Asset Management