Die ukrainische Drohnenkampagne gegen russische Ölinfrastruktur verursacht wachsende finanzielle Verluste für den Energiesektor Moskaus. Wiederholte Angriffe auf Raffinerien und Produktionsanlagen haben den Betrieb gestört und die inländische Treibstoffversorgung Russlands unter Druck gesetzt.
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Neue Schätzungen zeigen, dass die Schäden die Branche Milliarden kosten und zugleich eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des Kremls für den Krieg untergraben, berichtet United24 Media.
Milliardenverluste
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölanlagen haben laut einem Bericht der Moscow Times, der von United24 Media zitiert wird, zu Gesamtschäden von mehr als 1 Billion Rubel (12,3 Milliarden US-Dollar) geführt.
Die Zahl umfasst sowohl direkte Schäden an der Infrastruktur als auch die breiteren finanziellen Auswirkungen durch unterbrochene Produktion und entgangene Gewinne.
Allein die physische Zerstörung beläuft sich auf mehr als 100 Milliarden Rubel (etwa 1,2 Milliarden US-Dollar), während Betriebsunterbrechungen die Raffinerieaktivität im ganzen Land zusätzlich reduziert haben.
Raffinerieproduktion sinkt
Das russische Ölraffinationsvolumen ging im Jahr 2025 um 1,7 % zurück, da wiederholte Angriffe einige Anlagen zur Einstellung des Betriebs zwangen.
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Auch die Pipeline-Lieferungen von Rohöl an inländische Raffinerien gingen stark zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit etwa 15 Jahren.
Laut Berechnungen von Bloomberg, die von United24 Media zitiert werden, führte die Ukraine im Laufe des Jahres mindestens 120 Angriffe auf russische Ölinfrastruktur durch, darunter 81 Angriffe, die gezielt Raffinerien trafen.
Versicherungskrise entsteht
Die wachsende Zahl von Angriffen hat zudem Probleme im russischen Versicherungssektor ausgelöst.
Versicherer, die Risiken wie Terrorismus und Sabotage abdecken, melden Schadenquoten von über 100 %. Das bedeutet, dass die Unternehmen mehr Entschädigungen auszahlen, als sie an Prämien einnehmen.
Große russische Versicherer wie Soglasie und SOGAZ berichten, dass die Schadensmeldungen stark gestiegen sind, wobei die durchschnittliche Auszahlung nach einem Raffinerieangriff mehrere hundert Millionen Rubel erreicht.
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Drohnen-Schwärme überfordern die Verteidigung
Branchenanalysten führen den zunehmenden Schaden teilweise auf veränderte ukrainische Taktiken zurück.
Der Einsatz großer Drohnenschwärme hat es den Angreifern ermöglicht, lokale Luftverteidigungen zu überlasten und die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe zu erhöhen.
Der russische Verteidigungsminister Andrei Belousow erklärte im Dezember 2025, dass die russische Luftabwehr etwa 97 % der rund 3.700 Drohnen abfange, die die Ukraine monatlich startet.
Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU kommt jedoch zu einer anderen Einschätzung. Sein Leiter Wassyl Maljuk sagte, ukrainische Kräfte hätten im Jahr 2025 etwa 160 erfolgreiche Angriffe auf russische Ölproduktions- und Raffineriestandorte durchgeführt.
Treibstoffknappheit und Exportverbot
Die Kampagne hat auch Russlands inländischen Energiemarkt beeinträchtigt.
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Zeitweise setzten Drohnenangriffe innerhalb weniger Wochen vorübergehend mehr als 13 % der Raffineriekapazität des Landes außer Betrieb.
Der plötzliche Produktionsrückgang zwang den Kreml, ein sechsmonatiges Exportverbot für Benzin zu verhängen, um die Preise zu stabilisieren und Engpässe für das Militär zu verhindern.
Reparaturen wurden zudem durch Sanktionen gegen westliche Raffinerieausrüstung verlangsamt, wodurch sich Ausfälle in mehreren Anlagen verlängerten.
Quellen: United24 Media, The Moscow Times, Bloomberg