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Russland bewegt sich darauf zu, Abschiebung als Standardstrafe für Ausländer zu verankern

Russia Russian border barbed wire flag
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Ein politischer Kurswechsel zeichnet sich ab, da die Behörden strengere Durchsetzungsmaßnahmen in Betracht ziehen, die ausländische Staatsangehörige betreffen. Der Schritt signalisiert ein umfassenderes Bestreben, neu zu definieren, wie bestimmte Rechtsverstöße gehandhabt werden.

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Das Land nähert sich einer rechtlichen Veränderung, die Abschiebung zur Standardreaktion auf eine breite Palette administrativer Verstöße machen könnte. Der Vorschlag spiegelt eine umfassendere Verschärfung der Migrationspolitik wider, die sich im vergangenen Jahr beschleunigt hat.

Sollte er angenommen werden, würde dies den Spielraum für richterliches Ermessen erheblich einschränken. In der Praxis könnte Ausweisung eher zur Regel als zur Ausnahme werden.

Skepsis ist früh aufgekommen. Die russische Zeitung Kommersant berichtet, dass Wadim Koschenow, Leiter des Migrant Assistance Center, das System bereits für ausreichend hart hält.

Er wies darauf hin, dass selbst relativ geringfügige Vorfälle Einreiseverbote auslösen können, die 30 bis 40 Jahre dauern. „Das wirft die Frage auf: Welche Lücke soll dieses neue Gesetz schließen?“, legt seine Argumentation nahe.

Für Kritiker geht es nicht nur um Härte, sondern auch um Reichweite. Eine Ausweitung automatischer Abschiebungen könnte eine deutlich größere Gruppe ausländischer Arbeitskräfte betreffen, einschließlich solcher in Sektoren mit geringem Risiko.

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Zunehmender Druck

Der Vorschlag steht im Kontext eines umfassenderen politischen Kurswechsels. Meduza berichtete, dass russische Behörden nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall im März 2024 strengere Migrationskontrollen eingeführt haben, darunter verschärfte Aufenthaltsregeln und eine ausgeweitete Überwachung.

Ausländische Kinder müssen beim Schuleintritt nun einen Russischtest bestehen, berichtete Meduza; zugleich wurde der Zugang zu Aufenthaltstiteln eingeschränkt.

Russland beherbergt Millionen von Arbeitsmigranten, insbesondere im Bauwesen, in der Logistik und im Dienstleistungssektor.

Das macht jede Verschärfung der Durchsetzung zu mehr als nur einer rechtlichen Frage. Sie hat auch wirtschaftliches Gewicht.

Ein rechtlicher Wendepunkt

Die vom Innenministerium ausgearbeiteten und am 16. März geprüften Änderungsentwürfe würden laut Kommersant die obligatorische Abschiebung für etwa 20 administrative Verstöße vorsehen.

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Anstatt sich auf schwere Straftaten zu konzentrieren, zielen die Maßnahmen auf Kategorien wie Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und die Nichteinhaltung staatlich auferlegter Beschränkungen ab.

Meduza schreibt, dass das Ministerium den Schritt mit einem Anstieg rechtswidriger Aktivitäten unter ausländischen Staatsangehörigen begründete.

Die zentrale Änderung ist verfahrensrechtlicher Natur. Richter könnten Abschiebung nicht länger durch Geldstrafen oder kurzfristigen Freiheitsentzug ersetzen.

Das beseitigt Flexibilität. Und es signalisiert etwas Grundsätzlicheres.

Wird das Gesetz verabschiedet, würde es einen bereits im Gange befindlichen Wandel formalisieren: Abschiebung nicht als letztes Mittel, sondern als primäres Durchsetzungsinstrument zu behandeln. Wie weit es angewendet wird, könnte letztlich seine Auswirkungen bestimmen.

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Quellen: Kommersant, Meduza