Die Hinwendung des Landes zum Yuan beginnt, Risse zu zeigen. Was als Ersatz für westliche Währungen im Handel gedacht war, ist nun knapp, und die Folgen greifen über die Devisenmärkte hinaus auf die Gesamtwirtschaft über, einschließlich des Technologiesektors. Jüngste Entwicklungen deuten darauf hin, dass der Druck eher zunimmt als nachlässt.
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Der Zugang zu Yuan-Liquidität ist für russische Banken zunehmend schwieriger geworden. In dieser Woche berichtete The Moscow Times, dass die Zinssätze für Übernachtkredite an der Moskauer Börse zeitweise auf bis zu 44 % gestiegen sind — ein außergewöhnliches Niveau für eine Finanzierungsquelle, die noch vor wenigen Monaten günstig und stabil war.
Das zugrunde liegende Problem ist kein plötzlicher Nachfrageschub, sondern ein schrumpfendes Angebot.
Knappes Angebot, steigende Kosten
Die Exporterlöse, insbesondere aus dem Energiesektor, schwächten sich gegen Ende des vergangenen Jahres ab, wodurch sich die Menge an Fremdwährung, die ins System fließt, verringerte.
Gleichzeitig reduzierten die Behörden den Verkauf von Yuan-Reserven und entzogen dem Markt damit faktisch einen stetigen Liquiditätsstrom, auf den man sich verlassen hatte.
Anstatt eines einzelnen Auslösers beschreiben Analysten einen Schichteffekt: geringere Zuflüsse, weniger Interventionen und eingeschränkter Zugang zu externer Finanzierung.
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„Russische Unternehmen erhalten Yuan hauptsächlich über Handelsströme, da chinesische Banken größtenteils nicht bereit sind, direkt an russische Firmen zu verleihen“, sagte Michail Wassiljew, Chefanalyst bei Sovcombank.
Diese Einschränkung ist entscheidend. Anders als früher beim Dollar oder Euro hängt der Zugang zum Yuan stark von realer Handelsaktivität ab. Wenn die Exporte zurückgehen, sinkt auch die Liquidität — und es gibt nur wenige Alternativen.
Wechselkursbewegungen spiegeln tiefere Spannungen wider
Das Ungleichgewicht zeigt sich nun in den Wechselkursen. Der Yuan hat sich auf etwa 12,6 Rubel aufgewertet, während auch Dollar und Euro im jüngsten Handel zugelegt haben.
Diese Bewegungen sind bemerkenswert, da die globalen Ölpreise relativ stark bleiben, was die russische Währung normalerweise stützen würde.
Einige Ökonomen argumentieren, dass der Markt nicht auf aktuelle Preise reagiert, sondern auf verzögerte Zahlungsströme.
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„Tatsächlich hat der Markt etwa einen Monat lang so funktioniert, als läge der Ölpreis bei rund 45 Dollar pro Barrel“, sagte der Ökonom Jegor Susin.
Die Lücke zwischen den nominalen Exportpreisen und der tatsächlichen Liquidität im Inland bringt die politischen Entscheidungsträger in eine schwierige Lage. Eine Ausweitung der Swap-Linien der Zentralbank könnte kurzfristige Spannungen lindern, löst jedoch nicht das strukturelle Problem der Abhängigkeit von einer außerhalb Russlands kontrollierten Währung.
Unternehmensdruck wird sichtbar
Diese Einschränkungen schlagen sich nun in den Unternehmensergebnissen nieder. VK, Russlands größter Betreiber sozialer Netzwerke, meldete erneut einen Jahresverlust — rund 24,9 Milliarden Rubel (etwa 290 Millionen Dollar) im Jahr 2025 — obwohl der Umsatz auf nahezu 160 Milliarden Rubel (rund 1,8–1,9 Milliarden Dollar) gestiegen ist.
Auf dem Papier wächst das Unternehmen. In der Praxis verlangsamt sich die Dynamik. Die Werbung — das Kerngeschäft — wächst kaum, und die Kreditkosten bleiben hoch genug, um einen Großteil des operativen Gewinns aufzuzehren.
Die Zinsaufwendungen liegen inzwischen etwa auf dem Niveau des Ergebnisses vor Finanzierung, ein Zeichen dafür, wie angespannt die finanziellen Bedingungen geworden sind.
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VK hat Ausgaben gekürzt und Schulden abgebaut, doch der weitere Weg bleibt ungewiss. Ein Großteil der Strategie hängt von neueren Projekten ab, darunter eine staatlich unterstützte Messaging-Plattform, die sich bislang kommerziell noch nicht bewährt hat.
Der Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen ist nicht unmittelbar, aber schwer zu übersehen. Ein restriktiveres Finanzumfeld — geprägt von Währungsengpässen, höheren Finanzierungskosten und eingeschränktem externem Zugang — scheint den Handlungsspielraum sowohl für Banken als auch für Unternehmen zu verengen. Ob dieser Druck weiter zunimmt, könnte weniger von der Innenpolitik abhängen als davon, wie viel harte Währung weiterhin ins Land fließt.
Quellen: The Moscow Times