Frankreich überdenkt seine Verteidigungsausrichtung, während die globalen Spannungen zunehmen und traditionelle Bündnisse Anzeichen von Belastungen zeigen.
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Militärische Planer konzentrieren sich zunehmend darauf, wie sich künftige Konflikte mit geringeren Garantien externer Unterstützung entwickeln könnten.
In ganz Europa stellen sich ähnliche Fragen hinsichtlich Bereitschaft und Verantwortung.
Signale aus Washington gewinnen in der französischen Strategie zunehmend an Gewicht. Zwar bleibt die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten eng, doch ist die amerikanische Aufmerksamkeit auf mehrere Schauplätze verteilt, berichtet Le Figaro.
In militärischen Gesprächen ist die Botschaft an die europäischen Partner direkter geworden. General Fabien Mandon brachte es klar auf den Punkt: „Stärkt euch selbst, wir könnten möglicherweise nicht in der Lage sein, eure Bedürfnisse zu decken, wenn ihr sie braucht.“
Die Veränderung spiegelt einen breiteren Trend innerhalb der NATO wider. Europäische Mitglieder werden dazu gedrängt, einen größeren Anteil an der kollektiven Verteidigung zu übernehmen – eine Entwicklung mit sowohl politischen als auch militärischen Konsequenzen.
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Russland im Fokus
Vor diesem Hintergrund verschärfen sich die Sorgen über Russland. In einer Ansprache vor Abgeordneten machte Mandon deutlich, dass die Aussicht auf eine direkte Konfrontation in der militärischen Planung nicht länger theoretisch ist.
„Die anhaltende Bedrohung durch Russland auf unserem Kontinent, mit einem offenen Krieg (…), bleibt meine größte Sorge bei der Vorbereitung der Streitkräfte“, sagte er laut der französischen Zeitung.
Französische Einschätzungen gehen inzwischen von einem anhaltenden Ausbau russischer Fähigkeiten in den kommenden Jahren aus, sowohl in Bezug auf Truppenstärke als auch auf Ausrüstung.
Der Schwerpunkt liegt nach Angaben von Vertretern weniger auf einzelnen Zahlen als auf der allgemeinen Entwicklung.
Haushalt und Einsatzbereitschaft
Als Reaktion erwägt Paris eine weitere Erhöhung der Verteidigungsausgaben; zusätzliche 36 Milliarden Euro stehen zur Diskussion, zusätzlich zum bestehenden langfristigen Plan bis 2030.
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Mandon bezeichnete die Lage als eine, die Wachsamkeit statt Alarmismus erfordert. „Wir befinden uns in einer gefährlichen Phase. Wir dürfen keine Angst erzeugen, sondern lediglich Bewusstsein schaffen, weil wir diese Verteidigungsinvestitionen brauchen“, sagte er vor dem Parlament.
Er verwies zudem auf anhaltende Instabilität außerhalb Europas – von Terrorismus bis hin zu einer seiner Darstellung nach wachsenden Bereitschaft von Staaten, Gewalt anzuwenden.
Die Implikation ist schwer zu übersehen: Europa könnte in eine Phase eintreten, in der Sicherheit weniger von transatlantischer Verlässlichkeit abhängt und stärker von der eigenen Handlungsfähigkeit.
Quelle: Le Figaro