Startseite KI Rechenzentren strapazieren Energiesysteme durch das Wachstum der KI

Rechenzentren strapazieren Energiesysteme durch das Wachstum der KI

Aerial view of a Microsoft data center facility with electrical substation infrastructure and cooling systems in Mount Pleasant, Wisconsin. The large cloud computing and data storage campus supports digital services and business operations
cflaten / Shutterstock.com

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur gerät zunehmend in den Fokus von Energieaufsichtsbehörden und Kommunen. Experten warnen, dass das rasante Wachstum von KI und Cloud-Computing die nationalen Stromnetze an ihre Belastungsgrenzen bringen könnte.

Rechenzentren machen inzwischen etwa ein Sechzehntel des Stromverbrauchs im Vereinigten Königreich und in den USA aus, berichtet The Guardian unter Berufung auf Untersuchungen der International Data Center Association (IDCA).

Weltweit ist der Stromverbrauch dieser Anlagen in den vergangenen Jahren stark angestiegen – angetrieben durch wachsende KI-Arbeitslasten, Cloud-Dienste und die steigende Nachfrage nach Online-Anwendungen.

Die jährlichen Investitionen in den Rechenzentrumssektor nähern sich laut IDCA der Marke von einer Billion US-Dollar, was die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Branche unterstreicht.

In Großbritannien ist die Belastung bereits deutlich spürbar. Regierungsdaten aus Anfang 2025 zufolge entfielen rund 2,5 % der nationalen Stromversorgung auf Rechenzentren, doch dieser Anteil dürfte sich bis 2030 vervierfachen.

Auch die Verzögerungen bei Netzanschlüssen haben zugenommen. Laut The Guardian sind die Wartelisten in der ersten Hälfte des Jahres 2025 drastisch gewachsen. Diese Entwicklung hat lokale Behörden dazu veranlasst, ihre Strategien zur Energieplanung zu überdenken.

Sorgen in den Kommunen

Die IDCA warnte, dass der Widerstand häufig zunimmt, sobald Rechenzentren mehr als ein Zwanzigstel des Stromverbrauchs eines Landes beanspruchen. Großbritannien und die USA haben diese Schwelle jedoch bereits überschritten.

Kleinere Märkte stehen unter noch größerem Druck: Singapur nutzt inzwischen nahezu ein Fünftel seiner Netzkapazität für Rechenzentren, während Litauen etwa ein Neuntel dafür aufwendet.

Die hohe Konzentration in diesen Ländern spiegelt sowohl dichte urbane Technologiezentren als auch nationale Strategien wider, die digitale Infrastruktur priorisieren.

Umweltorganisationen haben Alarm wegen der Expansion geschlagen. Greenpeace warnt, dass ungebremstes KI-Wachstum zu höheren Energiekosten, einer stärkeren Belastung der Wasserressourcen und einer fortgesetzten Nutzung fossiler Brennstoffe führen könnte.

Doug Parr, leitender Wissenschaftler der Organisation, sagte: „Bevor wir uns von der Begeisterung der Tech-Milliardäre mitreißen lassen, deren Gewinne von dieser Expansion abhängen, sollten wir innehalten und uns fragen, ob der Preis es wert ist.“

Er fügte hinzu, dass mehr Transparenz, strenge Umweltprüfungen und Beschränkungen für neue umweltschädliche Anlagen dringend erforderlich seien.

Ineffizienz und Sicherheitsrisiken

Weltweit gibt es rund 10.000 Rechenzentren. Zu den größten zählt Microsofts Anlage Mount Pleasant in Wisconsin – ein 1,2 Millionen Quadratfuß großes Gelände (≈111.500 m²), das das Unternehmen als seine leistungsstärkste Einrichtung beschreibt.

Die IDCA hob zudem Ineffizienzen hervor: Rund 13 % des Stromverbrauchs von Rechenzentren in den USA entfallen auf ungenutzte „Zombie“-Dienste, was zu mehr als 3 Gigawatt vergeudeter Nachfrage beiträgt.

Auch Sicherheitsfragen rücken zunehmend in den Vordergrund. Laut IDCA haben jüngste Angriffe auf Rechenzentren im Nahen Osten Betreiber und Kunden verunsichert, wodurch physischer Schutz zu einem zentralen Bestandteil von Cybersicherheitsstrategien geworden ist.

Quellen: The Guardian, International Data Center Association, Greenpeace