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Trump startet Rechtsangriff auf Disney – und könnte es bereuen

Donald Trump
noamgalai/Shutterstock

Was passiert, wenn einer der mächtigsten Männer der Welt eines der größten Unterhaltungsunternehmen der Welt bedroht?

Hollywood-Vorstandsetagen gleichen selten politischen Kriegsbunkern. Disneys Hauptquartier jedoch wirkte in den letzten Wochen weniger wie die Heimat animierter Märchen und mehr wie ein Kommandozentrum, das sich auf eine Belagerung aus Washington vorbereitet.

Kaum drei Monate nach der Übernahme eines der mächtigsten Unterhaltungskonzerne der Welt befindet sich Disney-Chef Josh D’Amaro plötzlich auf Kollisionskurs mit der Regierung von Donald Trump – und niemand in der Medienbranche scheint mehr genau zu wissen, wo die Bremsen sind.

Disney unter Druck

Bundesregulierungsbehörden haben eine aggressive Überprüfung der Rundfunklizenzen von ABC in wichtigen US-Märkten, darunter New York und Los Angeles, eingeleitet.

Offiziell bestehen die Behörden darauf, dass sich die Untersuchung um frühere Bedenken im Zusammenhang mit Disneys Diversitäts- und Einstellungspraktiken dreht. Kritiker aus beiden politischen Lagern halten den Zeitpunkt jedoch zunehmend für unmöglich zu ignorieren.

Der Druck verstärkte sich, nachdem Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel kurz vor einem versuchten Angriff auf den Präsidenten einen kontroversen Witz über Melania Trump gemacht hatte.

Innerhalb weniger Tage leitete die Federal Communications Commission (FCC) eine umfassende Überprüfung der Lizenzen lokaler ABC-Sender Jahre vor dem Zeitplan ein – eine Entscheidung, die potenziell massive finanzielle Folgen für Disneys Werbeimperium haben könnte.

Medienanalysten bezeichnen die Konfrontation nun als eine der explosivsten Auseinandersetzungen zwischen Washington und einem großen Unterhaltungskonzern seit Jahrzehnten.

Neuer Disney-Chef wählt anderen Weg

Der frühere Disney-CEO Bob Iger erwarb sich in politischen Kontroversen einen Ruf für vorsichtige Diplomatie und strategische Geduld.

D’Amaro scheint ein ganz anderes Spiel zu spielen.

Anstatt die Präsenz zu reduzieren oder das Unternehmen von politisch sensiblen Bereichen zu distanzieren, hat Disney auf eine seiner stärksten Waffen gesetzt: den Sport.

Pläne, ESPN von Disneys breiterer Geschäftsstruktur zu trennen, sollen Berichten zufolge vollständig aufgegeben worden sein.

Strategen aus dem Umfeld des Unternehmens glauben, dass die Beibehaltung der Kontrolle über die Übertragungsrechte für NFL, NBA und College Football Disney einen enormen Einfluss in der amerikanischen Kultur und Politik verschafft.

Nur wenige Regierungen würden inmitten eines bereits polarisierten politischen Klimas bereitwillig öffentlichen Zorn im Zusammenhang mit dem Zugang zu Sportveranstaltungen provozieren.

Rechtsstreit eskaliert

Disneys Anwälte werfen der Trump-Regierung nun offen vor, Bundesregulierungsbehörden als Waffe gegen geschützte Meinungsäußerung einzusetzen.

Gerichtsunterlagen des Unternehmens argumentieren, dass Regierungsbehörden Ansichten nicht selektiv aufgrund politischer Meinungsverschiedenheiten bestrafen können.

ABC News soll Berichten zufolge sogar die interne Genehmigung erhalten haben, den Rechtsstreit während der Sendungen direkt den Zuschauern zu erklären, wodurch die traditionelle unternehmerische Vorsicht umgangen und direkter mit der Öffentlichkeit kommuniziert werde.

Washingtoner Insider sagen, die ungewöhnlich aggressive Kommunikationsstrategie habe sowohl Regulierungsbehörden als auch politische Akteure verunsichert.

Auch Republikaner äußern Bedenken

FCC-Vorsitzender Brendan Carr weist weiterhin Anschuldigungen politischer Vergeltung zurück.

Laut Carr konzentriert sich die Untersuchung auf frühere Bedenken bezüglich Disneys interner Beschäftigungspolitik und nicht auf Comedy-Segmente, die im Late-Night-Fernsehen ausgestrahlt wurden.

Dennoch hat sich die Kritik über demokratische Kreise hinaus verbreitet.

Der republikanische Senator Ted Cruz soll Berichten zufolge davor gewarnt haben, Bundesbehörden in das zu verwandeln, was er als „Gedankenpolizei“ bezeichnete, was dem bereits chaotischen Streit eine weitere Spannungsebene hinzufügt.

Der Countdown beginnt

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die nächsten Wochen, da sich beide Seiten auf das vorbereiten, was zu einem entscheidenden gerichtlichen und politischen Kampf werden könnte.

Wall-Street-Investoren beobachten die Lage nervös. Washingtoner Beamte kalkulieren Risiken. Disney-Führungskräfte bereiten sich auf einen langwierigen Konflikt vor.

Währenddessen schwebt eine unbequeme Realität über dem gesamten Konflikt: Amerikas größte Unterhaltungsmaschine verhält sich nicht länger wie ein Unternehmen, das versucht, sich aus der Politik herauszuhalten.