Die russische Eskalation ist laut Militärchef näher als zuvor erwartet.
Militärplaner in ganz Europa sprechen zunehmend weniger über hypothetische Bedrohungen und mehr über Fristen.
Neue Warnungen der obersten deutschen Militärführung deuten darauf hin, dass die NATO deutlich weniger Zeit zur Vorbereitung auf eine potenzielle Konfrontation mit Russland haben könnte, als viele westliche Regierungen zuvor angenommen haben.
Deutscher Militärchef nennt 2029 als Stichtag
Deutschlands Heeresinspekteur, Carsten Breuer, glaubt, dass Russland bis 2029 – oder möglicherweise sogar früher – in der Lage sein könnte, einen Angriff auf NATO-Gebiet zu starten.
„Verschiedene Indikatoren – Aufrüstung, die Erhöhung der Truppenstärke, wirtschaftliche und politische Veränderungen – deuten auf ein Datum hin: 2029. Könnte es früher geschehen? Ja“, zitierte das italienische Medium TV3.it Carsten Breuer.
Breuer betonte, dass die europäischen Streitkräfte sich nun auf schnelle Kampfbereitschaft, stärkere operative Fähigkeiten und langfristige technologische Überlegenheit konzentrieren müssten.
Sicherheitsverantwortliche in der gesamten NATO warnen seit Monaten, dass Russland sich militärisch weiter anpasst, trotz schwerer Verluste auf dem Schlachtfeld in der Ukraine.
Wachsende Besorgnis innerhalb der NATO
Der britische Streitkräftechef, Sir Richard Knighton, warnte kürzlich ebenfalls, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Europa weiter verschlechtere.
„Russland kämpft in der Ukraine, sammelt Erfahrungen und zieht Schlussfolgerungen, führt neue Technologien ein. Damals äußerte [Wladimir] Putin den Wunsch, souveräne Staaten anzugreifen. Je näher man der russischen Grenze ist, desto stärker ist dies zu spüren“, so Richard Knighton.
Westliche Verteidigungsbeamte glauben zunehmend, dass der Krieg in der Ukraine als groß angelegtes Testfeld für neue russische Taktiken, Drohnenkriegsführung und Gefechtsfeldkoordination dient.
Militäranalysten zufolge sind die an Russland grenzenden NATO-Staaten besonders besorgt über Moskaus wachsende Waffen- und Munitionsproduktion.
Ukrainische Drohnen treffen russische Infrastruktur
Die Besorgnis über Russlands zukünftige militärische Fähigkeiten verstärkte sich weiter nach einer neuen Angriffswelle tief im russischen Territorium.
Ukrainischen und russischen Berichten zufolge zielten groß angelegte Drohnenoperationen über Nacht auf militärische und Energieinfrastruktur in mehreren russischen Regionen ab.
Online aufgetauchte Social-Media-Aufnahmen zeigten massive Brände nahe der Ölraffinerie Rjasan, einer der größten Kraftstoffverarbeitungsanlagen Russlands.
Anwohner berichteten, sie hätten mehrere Explosionen gehört, nachdem Drohnen über dem Gebiet gesichtet worden seien.
Die Raffinerie von Rjasan ist aufgrund ihrer Rolle bei der Unterstützung der russischen Militärlogistik und Treibstoffversorgung wiederholt zum Ziel geworden.
Russische Behörden gaben an, drei Menschen seien getötet und weitere zwölf verletzt worden.
Eskalation auf beiden Seiten hält an
Moskau gab später bekannt, dass die russische Luftabwehr über Nacht etwa 450 ukrainische Drohnen abgefangen habe, nachdem ein weiterer großer russischer Angriff auf Kiew erfolgt war.
Ukrainische Beamte sagten, mindestens 24 Menschen seien bei Angriffen auf die Hauptstadt Anfang der Woche getötet worden.
Europäische Militärführer befürchten nun, dass die anhaltende Eskalation Russlands militärische Modernisierung und Kampferfahrung weiter beschleunigen könnte – genau das Szenario, vor dem NATO-Beamte hinter verschlossenen Türen zunehmend warnen.