Kriegsführung zwingt Armeen ständig, sich unter Druck anzupassen.
Wenn neue Technologien den Nebel des Krieges lichten, versuchen Soldaten fast alles, um sich im offenen Blickfeld zu verbergen. Doch manchmal macht eine kreative Tarnung sie nur zu einem leichteren Ziel.
Ein ungewöhnliches neues Aussehen
Laut The Moscow Times testen russische Streitkräfte in der Ukraine eine äußerst ungewöhnliche Lackierung an ihren Fahrzeugen. Graue und weiße Streifen tauchen nun auf Lastwagen und gepanzerten Fahrzeugen nahe der Frontlinien auf.
Das auffällige Zebramuster ist ein verzweifelter Versuch, moderne Waffensysteme zu überlisten. Die Truppen hoffen verzweifelt, dass die kontrastreichen Streifen die fortschrittlichen künstlichen Intelligenzsysteme verwirren werden, die derzeit ukrainische Angriffsdrohnen steuern.
Kriegsbefürwortende russische Kommentatoren äußern sich zutiefst skeptisch über diese Strategie. Der populäre Telegram-Kanal War Osvedomitel merkte an, die Lackierung solle dazu dienen, die Silhouette eines Fahrzeugs aufzubrechen.
„Es ist unwahrscheinlich, dass diese Versuche, die Silhouette zu ‚zerschlagen‘, moderne KI-Algorithmen in Kamikaze-Drohnen beeinflussen werden, aber nur die Praxis wird dies letztendlich bestätigen“, schrieb der Betreiber des Kanals.
Der Technologietest schlägt fehl
Andere prominente Stimmen in der russischen Militärblogger-Szene teilen diesen Zweifel. Der Blogger Kirill Fedorov argumentierte, dass, wenn ein menschlicher Pilot die Drohne manuell steuere, der Tieraufdruck absolut keinen Schutz biete.
Ein anderer Kanal, Two Majors, war in seiner Bewertung des Vorhabens noch brutaler. Sie scherzten, „eine solche Lösung könne nur helfen, wenn der Kamaz in einer Herde Zebras unterwegs sei.“
Dieselben Blogger testeten das Konzept tatsächlich an zivilen künstlichen Intelligenz-Tools. Um zu sehen, ob es funktionierte, führten sie Bilder der gestreiften Lastwagen durch neuronale Netze wie Gemini, Grok und Perplexity.
Die digitalen Gehirne ließen sich überhaupt nicht täuschen. Die Software erkannte sofort sowohl den Lastwagen als auch die Tatsache, dass er getarnt war.
Eine Taktik aus der Vergangenheit
Selbst ältere militärische Drohnentechnologie entdeckt die lackierten Lastwagen problemlos. Die Autoren merkten an, dass amerikanische Hornet-Drohnen, die grundlegende Computer Vision verwenden, die Ziele mühelos verfolgten.
Die seltsame Taktik greift tatsächlich auf ein jahrhundertealtes Taktikbuch zurück. Während des Ersten Weltkriegs bemalte die britische Marine Kriegsschiffe in wilden geometrischen Mustern, um feindliche U-Boote zu verwirren.
Diese alte maritime Strategie war als Dazzle-Tarnung bekannt. Das Ziel war nie, das Schiff unsichtbar zu machen, sondern vielmehr, dessen genaue Größe, Geschwindigkeit und Kursrichtung unmöglich zu berechnen.
Die Geschichte zeigt, dass das Marineexperiment weitgehend scheiterte. Die hell bemalten Schiffe zogen oft mehr Aufmerksamkeit auf sich und erlitten schwereren Torpedobeschuss als Standardschiffe.
Quellen: The Moscow Times, Onet