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Verzweifelter Putin schafft sowjetische Arbeitszeitgrenzen ab: Russen müssen jetzt doppelt so viele Überstunden leisten

President Putin, Vladimir Putin
Пресс-служба Президента России / Wiki Commons

Eine moderne Wirtschaft am Laufen zu halten, erfordert eine massive, stetige Zufuhr menschlicher Arbeitskraft.

Wenn plötzliche Krisen die verfügbaren Arbeitskräfte dezimieren, sind normale Bürger oft gezwungen, die zusätzliche Last zu tragen.

Eine große Nation fordert ihre Bürger nun zu einem tiefgreifenden Opfer auf, nur um das System am Laufen zu halten.

Alte Regeln brechen

Laut Bloomberg, zitiert von Onet, hat Präsident Wladimir Putin kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das die Bürger drastisch dazu zwingt, mehr Arbeitszeit zu leisten. Die Gesetzgebung verdoppelt effektiv die jährliche Überstundenbegrenzung des Landes.

Ein halbes Jahrhundert lang begrenzte das alte sowjetische Arbeitsgesetzbuch die jährlichen Überstunden auf 120 Stunden. Dieses neue Dekret hebt diese Obergrenze auf bis zu 240 Stunden an.

Das Gesetz schafft auch wichtige Sicherheitsvorschriften ab. Manager können nun Mitarbeiter aus gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Industrien zurückrufen, um leere Schichten zu besetzen.

Fehlende Arbeitskräfte

Dieser extreme Politikwechsel erfolgt, während die Nation mit einem historischen Arbeitskräftemangel zu kämpfen hat. Bloomberg berichtet, dass dem Land derzeit 1,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Das entspricht ungefähr der gesamten Bevölkerung einer Großstadt wie Jekaterinburg. Mit Blick auf die Zukunft warnt der Russische Verband der Industriellen und Unternehmer, dass das Defizit bis 2030 drei Millionen Menschen erreichen könnte.

Offizielle Begründungsdokumente behaupten, dass die massiv ausgeweiteten Arbeitsstunden den unmittelbaren nationalen Bedarf an fast 50.000 neuen Arbeitsplätzen ausgleichen werden. Staatliche Daten behaupten zudem kühn, dass 90 Prozent der Bevölkerung dazu bereit seien.

Unabhängige Wirtschaftsdaten zeichnen ein wesentlich düstereres Bild. Experten führen den Arbeitskräfteabzug direkt auf den Krieg in der Ukraine zurück. Der Konflikt löste plötzliche militärische Mobilisierungen, erschütternde Verluste auf dem Schlachtfeld und eine massive Welle junger Männer aus, die das Land verlassen.

Die neue Normalität

Einige Kreml-Milliardäre hatten zuvor noch radikalere Ideen ins Spiel gebracht, um die schwächelnde Wirtschaft zu flicken. Vorschläge umfassten eine Rückkehr zur Sechs-Tage-Arbeitswoche der Stalin-Ära oder die Wiedereingliederung einer riesigen Armee von 40 Millionen Rentnern in den Arbeitsmarkt.

Demografen warnen jedoch, dass der aktuelle Arbeitskräftemangel dauerhaft ist. Eine einbrechende Geburtenrate und eine schnell alternde Gesellschaft bedeuten, dass die Fabrikhallen still bleiben werden.

Der Demograf Igor Jefremow stellte fest, dass der aktuelle Zustand des Arbeitsmarktes „keine Krise, sondern eine neue Norm für die kommenden Jahrzehnte ist“.

Quellen: Bloomberg, FinExpertiza, Onet