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Warum Tiere Zeit möglicherweise anders erleben als Menschen

Dazzling male peacock displays his iridescent, eye-spotted tail feathers in a full, vibrant fan, showcasing the beauty of nature
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Neue Forschungsergebnisse eröffnen neue Perspektiven darauf, wie verschiedene Arten die Welt um sich herum wahrnehmen. Wissenschaftler untersuchen, ob der Ablauf der Zeit im Tierreich tatsächlich unterschiedlich erlebt werden könnte.

Ein Augenblick fühlt sich im Tierreich möglicherweise nicht für alle Arten gleich an. Diese Idee könnte verändern, wie wir über das Verhalten, das Wohlergehen und den Schutz von Tieren denken.

Bevor Forschende verstehen können, wie Tiere auf Straßen, Windkraftanlagen, Raubtiere oder potenzielle Partner reagieren, müssen sie zunächst klären, wie schnell diese Tiere eine sich ständig verändernde Umwelt verarbeiten.

In einem Essay in The Guardian schreibt Ishan Singhal, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Consciousness Science der University of Sussex, dass Tiere möglicherweise in unterschiedlichen „Zeitlandschaften“ leben, in denen die Wahrnehmung Erfahrungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aktualisiert und ordnet.

Beim Menschen kann ein Satz trotz eines kurzen, durch Rauschen überdeckten Abschnitts als zusammenhängend wahrgenommen werden. Studien mit Staren und Eichhörnchen deuten darauf hin, dass auch manche Tiere unterbrochene Rufe ergänzen können – allerdings nur innerhalb kürzerer Zeitfenster.

Bewegungsillusionen

Ein weiterer Hinweis stammt von der sogenannten Flash-Lag-Illusion. Dabei erscheint ein Lichtblitz, der sich auf derselben Position wie ein sich bewegendes Objekt befindet, leicht hinter diesem Objekt. Experimente zeigen, dass Affen eine schwächere Form dieses Effekts erleben. Das deutet darauf hin, dass ihre visuellen Systeme Bewegungen und plötzliche Signale anders verarbeiten als die des Menschen.

Dieser Unterschied ist auch außerhalb des Labors von Bedeutung. In einer schnell ablaufenden Situation kann bereits eine minimale Verzögerung bei der Einschätzung einer Position beeinflussen, wie ein Tier Beute verfolgt, Gefahren ausweicht oder auf Bewegungen in seiner Umgebung reagiert.

Die Ergebnisse werfen eine weitergehende ökologische Frage auf: Wenn Arten Bewegungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verarbeiten, sehen Raubtiere und Beutetiere dieselbe Verfolgungsjagd möglicherweise nicht auf dieselbe Weise.

Singhal weist darauf hin, dass Schmetterlinge mit abwechselnd hellen und matten Flügelmustern es Raubtieren erschweren könnten, ihre Position richtig einzuschätzen. Während sich die Flügel bewegen, können die wechselnden visuellen Signale die Fähigkeit eines Angreifers beeinträchtigen, die tatsächliche Position des Schmetterlings präzise zu erfassen.

Dieser Effekt, bekannt als Motion Dazzle, zeigt, wie entscheidend das richtige Timing für das Überleben sein kann.

Lehren für das Design

Auch Balzverhalten könnte von der zeitlichen Verarbeitung der Wahrnehmung abhängen. Singhal vermutet, dass das Zittern des Pfauenrades eine Tiefenillusion erzeugen könnte, wodurch die Augenflecken plastischer vor dem Federkleid erscheinen.

Diese Annahme bleibt spekulativ, weist jedoch auf ein grundlegenderes Thema hin: Die Wirkung tierischer Schauverhalten könnte nicht nur auf Farbe, Form oder Klang beruhen, sondern auch auf dem zeitlichen Ablauf ihrer Bewegungen.

Die Forschung könnte künftig zur Entwicklung neuer Konzepte beitragen – etwa zur Verringerung von Vogelkollisionen mit Windkraftanlagen, zur Verbesserung von Warnsystemen an Straßen und Bahnstrecken oder zur Gestaltung besserer Beleuchtung in der Tierhaltung.

Für Planer und Designer ist die Erkenntnis einfach: Ein Signal, das für Menschen eindeutig erscheint, muss für eine andere Art nicht gleichermaßen verständlich sein.

Aus dieser Perspektive geht es bei der Wahrnehmung von Tieren nicht nur darum, was sie sehen oder hören. Entscheidend ist auch, wann ihre Welt für sie stattzufinden scheint.

Quelle: Essay in The Guardian von Ishan Singhal, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre for Consciousness Science der University of Sussex.