Startseite Europa Höhere Zinsen, schwächeres Wachstum: EZB vor schwierigem wirtschaftlichem Balanceakt

Höhere Zinsen, schwächeres Wachstum: EZB vor schwierigem wirtschaftlichem Balanceakt

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Die EZB hat die Zinsen erstmals seit fast drei Jahren angehoben, da die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt und der durch höhere Energiepreise verursachte Preisdruck die Wirtschaft im Euroraum weiter belastet.

Nach einer Phase steigender Energiepreise und wachsender Inflationssorgen hat sich die EZB für eine Straffung der Geldpolitik entschieden.

Am Donnerstag wurden die Zinssätze erstmals seit fast drei Jahren angehoben, berichtet The Guardian.

Der Einlagensatz steigt von 2 auf 2,25 Prozent. Gleichzeitig wird der Zinssatz für die Kreditaufnahme der Banken bei der Zentralbank auf 2,4 Prozent angehoben.

Neue Inflationsdaten zeigen, dass sich der Preisdruck im Euroraum im Mai verstärkt hat. Die Inflationsrate erreichte 3,2 Prozent. Damit liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem EZB-Ziel von 2 Prozent.

Krieg sorgt für Unsicherheit

Der Konflikt im Nahen Osten hat in den vergangenen Monaten zu höheren Öl- und Gaspreisen beigetragen und damit den Druck auf Unternehmen und Verbraucher in Europa erhöht, berichtet The Guardian.

Laut Christine Lagarde erschwert die geopolitische Lage die Einschätzung, wie sich Preise und die wirtschaftliche Aktivität in den kommenden Monaten entwickeln werden.

„Die vollständigen Auswirkungen des Krieges auf Inflation und Wachstum auf mittlere Sicht werden von der Intensität und Dauer des Energiepreisschocks sowie vom Ausmaß seiner indirekten und Zweitrundeneffekte abhängen“, sagte sie.

Wachstum verlangsamt sich

Die Zentralbank hat zudem ihre Konjunkturprognose überarbeitet und erwartet nun ein schwächeres Wachstum in den kommenden Jahren. Die Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 wurden nach unten korrigiert.

Ökonomen sind uneinig darüber, wie viele weitere Zinserhöhungen notwendig sein werden.

Die Finanzmärkte rechnen mit weiteren Zinserhöhungen, während andere Experten davon ausgehen, dass die schwächere Wirtschaft den Spielraum für zusätzliche Straffungsmaßnahmen begrenzen wird.

„Die Frage ist, wie weit dieser Straffungszyklus gehen kann. Unsere Antwort lautet: nicht sehr weit. Es gibt Aufwärtsrisiken für die Inflation, aber auch Abwärtsrisiken für das Wachstum“, sagte Mark Wall, Chefvolkswirt für Europa bei der Deutschen Bank, gegenüber The Guardian.

Ein schwieriger Balanceakt

Die EZB steht nun vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits muss die Zentralbank versuchen, die Inflation einzudämmen, die durch steigende Energiekosten angeheizt wurde.

Andererseits könnten höhere Zinsen eine Wirtschaft zusätzlich belasten, die bereits an Dynamik verliert.

Laut Reuters versucht die EZB daher, die Inflation unter Kontrolle zu halten, ohne gleichzeitig eine Rezession auszulösen.

Quellen: The Guardian, Reuters