Antike Darstellungen aus einer zusammenhängenden europäischen Region zeigen wiederkehrende Muster bei der Wahl der Motive, ihrer Ausrichtung und ihrer Anordnung. Mithilfe statistischer Verfahren können Forschende diese Gemeinsamkeiten erkennen, ohne zu behaupten, die ursprüngliche Bedeutung der Darstellungen entschlüsselt zu haben.
Bisons, Pferde und Steinböcke erwiesen sich bei einer Analyse von 500 prähistorischen Darstellungen aus neun Höhlen in Südeuropa als die am stärksten miteinander verbundenen Motive.
Die im Journal of Archaeological Method and Theory veröffentlichte Studie umfasst Kunstwerke, die grob auf einen Zeitraum vor 18.500 bis 14.000 Jahren datiert werden. Der Archäologe Iñaki Intxaurbe untersuchte 500 Darstellungen aus neun verzierten Höhlen im Baskenland im Norden Spaniens und im Südwesten Frankreichs.
Diese Fundstätten liegen entlang der Achse des Golfs von Biskaya, einer Region, die während der späten Eiszeit die Iberische Halbinsel mit dem europäischen Festland verband. Aufgrund ihrer Lage eignet sich das Gebiet besonders gut für die Untersuchung der Frage, ob Gemeinschaften in der Region bei der Anordnung von Tieren und Zeichen auf Höhlenwänden ähnliche Entscheidungen trafen.
Die Forschenden untersuchten, welche Tiere und Zeichen gemeinsam auf denselben Höhlenpaneelen vorkamen. Bestimmte Kombinationen traten häufig genug auf, um auf ein deutliches Muster hinzuweisen.
Wie die Zusammenhänge gemessen wurden
Intxaurbe nutzte sogenannte Kookkurrenznetzwerke, die zeigen, wie häufig zwei Motive gemeinsam auf demselben Paneel erscheinen. Die Verbindung zwischen zwei Motiven wird umso stärker, je häufiger sie im Datensatz zusammen auftreten.
Die Methode ermöglicht es Forschenden, die Bedeutung verschiedener Motive zu vergleichen, ohne ihnen zunächst eine rituelle, erzählerische oder religiöse Funktion zuzuschreiben. Dabei werden Tiere und Zeichen zu Knoten in einem Netzwerk, während ihre wiederholten gemeinsamen Vorkommen die Verbindungen zwischen ihnen bilden.
Es wurden mehrere Versionen des Netzwerks erstellt. Einige berücksichtigten die Zahl der gemeinsam genutzten Paneele, während andere die Ergebnisse so anpassten, dass besonders häufig dargestellte Tiere nicht allein aufgrund ihres häufigeren Vorkommens dominierten.
Anschließend wurden die Modelle gefiltert, um schwächere Verbindungen zu entfernen und die beständigsten Beziehungen sichtbar zu machen. Ein minimaler Spannbaum reduzierte das Netzwerk weiter und behielt nur jene Verbindungen bei, die notwendig waren, um seine grundlegende Hierarchie darzustellen.
Höhlenkunst wird häufig unter dem Gesichtspunkt diskutiert, was die Darstellungen bedeuten könnten. Diese Studie verfolgt einen einfacheren Ansatz und untersucht stattdessen, welche Tiere und Zeichen in den neun Höhlen wiederholt gemeinsam auftraten.
Drei Tiere blieben besonders prägend
Im zentralen minimalen Spannbaum nahm der Bison die führende Position ein. Er verband die stärksten Äste des Netzwerks und war eng mit den anderen bedeutenden Pflanzenfressermotiven verknüpft.
Diese Hierarchie war jedoch nicht unveränderlich. Wurde die Kategorie der nicht identifizierten Figuren entfernt, konnte der Steinbock die zentrale Position einnehmen. Wurde zusätzlich das außergewöhnlich steinbockreiche Fundmaterial aus Atxurra ausgeschlossen, konnte das Pferd zum wichtigsten Knoten werden.
Diese Veränderungen verhindern, dass die Ergebnisse auf die Aussage reduziert werden, Bisons hätten die Kompositionen des Magdalénien stets dominiert. Intxaurbes belastbareres Ergebnis lautet, dass dieselben drei Tierarten unter den verschiedenen Testbedingungen durchgehend die zentrale Gruppe bildeten.
Seltener dargestellte Tiere und nicht figurative Zeichen verloren an Bedeutung, nachdem schwächere Verbindungen herausgefiltert worden waren. Mehrere von ihnen behielten jedoch auch in den dichteren Modellen zahlreiche Verknüpfungen bei, was darauf hindeutet, dass sie nicht lediglich isolierte Ergänzungen waren.
Die Analyse der Paneele zeigte außerdem, dass einige Motive nur sehr begrenzt vertreten waren. Sexuelle Darstellungen waren beispielsweise im Korpus selten und blieben weitgehend isoliert. Der Studie zufolge könnte diese Randstellung auf regionale Traditionen, Erhaltungsprobleme oder Schwierigkeiten bei der Klassifizierung stark vereinfachter Figuren zurückzuführen sein.
Die Ausrichtung offenbarte ein weiteres Muster
Die Studie untersuchte außerdem, in welche Richtung die Tiere blickten und wie ihre Körper auf der Höhlenoberfläche positioniert waren.
Bisons und Steinböcke waren häufiger nach links ausgerichtet, während Pferde häufiger nach rechts blickten. Die Ergebnisse für diese Arten verloren nach einer Korrektur für multiple statistische Tests jedoch an Aussagekraft und werden daher als Tendenzen und nicht als feste Regeln dargestellt.
Über den gesamten Korpus hinweg blieb der Zusammenhang zwischen Motiv und Blickrichtung jedoch statistisch nachweisbar. Pferde auf denselben Paneelen waren zudem häufiger in derselben Richtung wie benachbarte Figuren ausgerichtet, als ihnen direkt gegenüberzustehen.
Auch bei der Neigung zeigten sich weitere Unterschiede. Pferde waren deutlich mit horizontalen Positionen verbunden und kamen seltener in geneigten oder vertikalen Anordnungen vor. Bisons zeigten dagegen eine größere Vielfalt, darunter mehr geneigte und vertikale Darstellungen.
Der Korpus wurde mithilfe von Laserscans, Photogrammetrie, räumlicher Kartierung und dreidimensionaler Dokumentation erfasst. Die Forschenden berücksichtigten außerdem Erosion, Sedimentverlagerungen, beschädigte Oberflächen und andere Prozesse, durch die Teile der ursprünglichen Kunstwerke verloren gegangen sein könnten.
Intxaurbe interpretiert die wiederkehrenden Kombinationen und räumlichen Anordnungen als Hinweise auf gemeinsame regionale Konventionen. Die Analyse kann zwar nicht aufdecken, was die Darstellungen bedeuteten, liefert jedoch eine überprüfbare Grundlage für den Vergleich von Höhlenkunsttraditionen in anderen Regionen.
Quelle: Journal of Archaeological Method and Theory